Deine Grippe, meine Grippe

Auch wenn es derzeit keinerlei Grund gibt, angesichts der Schweinegrippe in Panik zu verfallen, so illustriert die Ausbreitung des H1N1-Virus doch, wie in einer globalisierten Welt lokale Probleme in Windeseile zu globalen werden. Nicht Mediziner, sondern Ökonomen frösteln derzeit bei dem Gedanken, dass sich die Grippe weiter ausbreitet. Und das aus gutem Grund: Vor sechs Jahren hielt die in Asien ausgebrochene Lungenkrankheit SARS die Welt in Atem. Rund um den Globus wurden damals etwa 8 000 Menschen mit dem SARS-Virus infiziert, etwa 800 von ihnen starben.

Zum Vergleich: Weltweit sterben laut Angaben von UNICEF jährlich rund zwei Millionen Kinder an Lungenentzündung. Und dies obwohl an den zu einer erfolgreichen Bekämpfung erforderlichen Antibiotika kein Mangel herrscht. Woran es mangelt, ist die Bereitschaft, überall auf der Welt eine Gesundheitsversorgung zu etablieren, die diesen Namen verdient. Zugegeben: Das geht weder über Nacht, noch ohne die tatkräftige Mitarbeit derjenigen Länder, deren medizinische Versorgung miserabel genannt werden muss. Aber viel wäre schon gewonnen, wenn die Pharmakonzerne der Industrienationen Medikamente und Lizenzen dort zu erschwinglichen Preisen anböten.

In einer globalisierten Welt ließe sich ein solches Vorgehen sogar egoistisch begründen. Denn in einer solchen Welt wird die „fremde“ Grippe schnell zur „eigenen“ Grippe. Und selbst wenn sie nur vergleichweise harmlose Ausmaße annimmt, teuer ist sie immer. Durch die Ausbreitung des SARS-Virus gingen der Weltwirtschaft damals rund 33 Milliarden Euro verloren. Grund genug also, für den Westen, ein vitales Interesse an Prävention und Kooperation zu besitzen. Selbst dann, wenn damit nicht das ganz große Geschäft verbunden ist. reh