Das Ziel? Missionarische Theologie!

Wissenschaftsstandort Berlin: Kardinal Woelki wünscht eine katholisch-theologische Fakultät in der Hauptstadt. Von Regina Einig

Foto: KNA Foto: KNA
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Eminenz, Sie haben sich kürzlich für eine Katholisch-Theologische Fakultät für Berlin ausgesprochen: Was erhoffen Sie sich davon?

Zum einen geht es natürlich um die wissenschaftliche Ausbildung von Priestern. Darüber hinaus könnte ich mir vorstellen, in Berlin von einem eigenen theologischen Standpunkt aus eine Auseinandersetzung mit anderen Religionen, Weltanschauungen und Agnostikern zu führen. Das wäre Berlin als Metropole und Wissenschaftsstandort angemessen. Ich würde eine solche Einrichtung in Berlin gerade auch unter dem Gesichtspunkt der Neuevangelisierung für sehr wünschenswert halten. Eine missionarische Theologie zu betreiben wäre mein Ziel. Natürlich muss man zunächst prüfen, inwieweit das rechtlich und finanziell umsetzbar ist.

In Deutschland wird es zunehmend schwieriger, geeignete Mitarbeiter für theologische Einrichtungen zu finden. Auch gehen die Studentenzahlen zurück. Würde eine theologische Fakultät in Berlin unter diesen Umständen das „Aus“ für die Theologenausbildung in Erfurt bedeuten?

Das hoffe ich natürlich nicht. Wir Bischöfe müssen uns dennoch grundsätzlich die Frage stellen, wie wir uns in puncto katholisch-theologische Fakultäten positionieren wollen. Die Studentenzahlen sinken in der Tat und es wird schwieriger, die entsprechenden wissenschaftlichen Mitarbeiter zu rekrutieren. Hier muss eine Grundsatzentscheidung getroffen werden: Wollen wir eine flächendeckende Vernetzung der Theologie aufrechterhalten? Oder wollen wir selbst Schwerpunkte setzen? Denkbar wäre dann, nicht nur beispielsweise in München, Freiburg und Münster, sondern auch in Erfurt und Berlin solche Schwerpunkte zu setzen.

Das Stichwort Neuevangelisierung stand auch auf der Tagesordnung des Konsistoriums. Was könnten wir in Deutschland umsetzen?

Dem Heiligen Vater liegt das Jahr des Glaubens besonders am Herzen. Er hat es mit Blick auf den Jahrestag der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils im Oktober initiiert und es soll in der ganzen Weltkirche begangen werden. Er wünscht sich, dass wir in unseren Gemeinden den Glauben vertiefen. Das Gleiche gilt für unser Glaubenswissen. Dazu empfiehlt der Heiligen Vater insbesondere, den Katechismus der Katholischen Kirche durchzuarbeiten. Das ist ganz sicher einer der Schwerpunkte. Grundsätzlich müssen wir uns fragen, wie es uns gelingen kann, Signale in eine Gesellschaft hinein zu setzen, die oftmals nicht mehr um die Inhalte unseres christlichen Glaubens weiß. Wie können wir die Menschen damit in Berührung bringen? Ich denke hier auch an eine wissenschaftliche Auseinandersetzung über unsere Akademien und unsere Bildungseinrichtungen.

Wovon wird es abhängen, ob der Dialogprozess ein taugliches Instrument für die Neuevangelisierung und für das Jahr des Glaubens wird?

In erster Linie wird das von uns selbst abhängen. Der Dialogprozess kann innerhalb der Kirche nur gelingen, wenn wir diesen Dialog mit Christus führen und wenn wir uns von ihm und vom Evangelium her inspirieren lassen und von dort her die Schwerpunkte festlegen. Wo der Dialog mit Gott gelingt, können wir ihn auch untereinander führen. Wir müssen daran arbeiten, das Proprium zu kommunizieren, für das wir als katholische Kirche zu stehen haben.