Das Ninive-Projekt

Die Unionsfraktion diskutiert die Rückkehr von Christen und Jesiden in den Norden Iraks. Von Benedikt Winkler

Johannes Freiherr Heereman von Zuydtwyck berichtete bei der Konferenz über die Arbeit von „Kirche in Not“. Foto: CDU/CSU-Bundestagsfraktion/Julia Nowak
Johannes Freiherr Heereman von Zuydtwyck berichtete bei der Konferenz über die Arbeit von „Kirche in Not“. Foto: CDU/CSU-Bundestagsfraktion/Julia Nowak

Vor gut einem halben Jahr ist der Norden Iraks von der brutalen Terrorherrschaft des „Islamischen Staats“ befreit worden. Auf dem Kongress der Unions-Bundestagsfraktion „Einsatz für die Religionsfreiheit“ wurde letzte Woche mit Vertretern aus Politik, Zivilgesellschaft und Hilfsorganisationen die Frage diskutiert, wie man den Vertriebenen – insbesondere den Christen und Jesiden – eine Rückkehr in ihre Heimat in der Ninive-Ebene und dem Sindschar-Gebirge ermöglichen kann. Der Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag Volker Kauder nannte die Religionsfreiheit ein „Herz-Thema“. Die Politik beschäftige die Frage: Können die Menschen, die Christen und Jesiden, die von dort geflohen und vertrieben worden sind tatsächlich wieder zurückkehren? Die Hundertausende, die ihre Heimat verloren haben?“

Einer, der im Norden Iraks Perspektiven eröffnet und über Spenden den Wiederaufbau von Dörfern und Schulen organisiert, ist Johannes Nepomuck Freiherr Heereman von Zuydtwyck. Noch vor vier Wochen war er der geschäftsführende Präsident des Päpstlichen Hilfswerks „Kirche in Not“.

Johannes Freiherr Heereman beziffert die Schäden im Norden Iraks auf insgesamt 253 Millionen Euro. 12 970 Häuser seien vollständig zerstört, verbrannt oder teilweise beschädigt. Das „Ninive-Reconstruction-Project“ des Hilfswerks unter der Beteiligung der Chaldäer, der syrisch-orthodoxen und der syrisch-katholischen Kirche habe dazu beigetragen, das 40 000 Menschen innerhalb eines Jahres wieder angesiedelt und Häuser wieder aufgebaut werden konnten. „Von 2014 bis 2017 haben wir das Überleben von 11 800 Familien, das sind ungefähr 50 000 Menschen, durch Verpflegung und Unterkünfte mit einem Aufwand von 34 Millionen Euro gesichert“, bilanziert Johannes Heereman in Berlin.

Nach der Zerschlagung des IS sei auch die Bereitschaft unter den Flüchtlingen, in ihre Heimat zurückzukehren, rapide angestiegen. Eine Befragung unter Flüchtlingen hätte Ende 2016 ergeben, dass nur drei Prozent bereit wären, in ihre Heimatdörfer zurückzukehren. Im Februar 2017 waren es dagegen schon 41 Prozent, 46 Prozent erwogen die Rückkehr. „Da fängt einer an, von zu Hause zu träumen. Da, wo Hoffnung ist, muss man sie auch unterstützen und dann kann daraus auch wieder neues Leben werden“, meint der frühere ACN-Präsident. „Wir müssen internationale Unterstützung finden und ich hoffe, dass wir sie auch hier in Berlin finden.“ Zum Schluss der Podiumsdiskussion meinte Johannes Heereman, dass es keine Garantie für einen dauerhaften Frieden im Irak gäbe. „Wenn wir jetzt nicht handeln, dann liegt die Zukunft dieser Kinder in den Flüchtlingslagern von Jordanien und im Libanon und die Zukunft des Iraks wird geschwächt und das Christentum wird verlöschen.“

Johannes Heereman hofft auf die Unterstützung der Unionsparteien, denn das läge in einer guten Tradition. Als der als „Speckpater“ bekannt gewordene Pater Werenfried einmal bei Adenauer vorsprach, um eine Spende zu erbetteln, nahm er seinen Hut. Von der vielen Bettelei war dieser, der Millionenhut, völlig durchlöchert. Als Adenauer in der Tasche nach Münzen suchte, meinte der Pater: „Herr Bundeskanzler, das hat keinen Zweck, die fallen alle durch's Loch. Wir brauchen Scheine.“ Wenig später hatte Adenauer persönlich eine großzügige Spende gemacht.