Das Klima im Vatikan wird rauer

Papst Franziskus ordnet die Entlassung von drei verdienstvollen Mitarbeitern der Glaubenskongregation an. Von Guido Horst

Pope Francis embraces newly elected cardinal Muller of Germany during a consistory ceremony in Saint Peter's Basilica at the Vatican
Ein Bild aus besseren Tagen: Papst Franziskus mit dem Präfekten der Glaubenskongregation Gerhard Ludwig Kardinal Müller. Foto: Reuters
Pope Francis embraces newly elected cardinal Muller of Germany during a consistory ceremony in Saint Peter's Basilica at the Vatican
Ein Bild aus besseren Tagen: Papst Franziskus mit dem Präfekten der Glaubenskongregation Gerhard Ludwig Kardinal Müller. Foto: Reuters

Rom (DT) In Rom verdichten sich die Anzeichen, dass das Klima an der römischen Kurie rauer wird. Wie im Vatikan zu erfahren ist, entspricht die Nachricht des italienischen Vatikanberichterstatters Marco Tosatti von Ende Dezember, Papst Franziskus habe die Kündigung von drei Mitarbeitern der Glaubenskongregation erzwungen, den Tatsachen. Demnach sei es Franziskus zu Ohren gekommen, dass einer oder alle drei Priester, die als zuverlässige, verdienstvolle sowie langjährige Fachkräfte des von Kardinal Gerhard Müller geführten Dikasteriums geschildert werden, sich etwas kritisch über den Papst geäußert haben sollen. Der Bekannte eines engen Vertrauten des Papstes habe das gehört, was dann zu Franziskus gedrungen sei. Unmittelbar darauf habe der Papst schriftlich die Entfernung der drei Geistlichen gefordert. Es soll sich um einen Slowaken, einen Franzosen und einen Mexikaner handeln. Die Glaubenskongregation will die Namen dieser drei Mitarbeiter nicht nennen, um ihren Ruf zu schützen.

Kardinal Müller, so heißt es im Vatikan, habe nach der Anordnung von Franziskus das Gespräch mit dem Papst gesucht, was sich jedoch hinausgezögert habe. Über den Verlauf der schließlich stattgefundenen Unterredung kursiert in der Kurie eine von mehreren Seiten einstimmig wiedergegebene Version: Der Präfekt habe dem Papst gesagt, dass er nach Erhalt der Kündigungsbriefe noch nichts veranlasst habe, da es sich um drei seiner besten Mitarbeiter handele. Auf die Frage, was sich die drei Priester hätten zu Schulden kommen lassen, habe Franziskus geantwortet, er sei der Papst, er brauche keine Gründe für seine Entscheidungen zu nennen. Er habe entschieden, dass die drei die Glaubenskongregation verlassen müssten und sie hätten diese zu verlassen. Zwei der drei Geistlichen seien bereits gegangen, ein dritter werde noch gehen, heißt es im Vatikan.

Beobachter werten dies als Zeichen dafür, dass die Nervosität im engeren Umfeld von Franziskus und bei diesem selbst steigt. Die vier Kardinäle, die in einem Schreiben an den Papst „Zweifel“ zum achten Kapitel des postsynodalen Schreibens „Amoris laetitia“ geäußert hatten, warten immer noch auf eine Antwort. Auch die Entscheidung des Papstes, zu den internen Streitigkeiten im Malteserorden eine vatikanische Untersuchungskommission einzusetzen, sorgt für Missstimmung, nicht zuletzt bei der Ordensleitung, da es sich bei den Maltesern um ein souveränes völkerrechtliches Subjekt handelt, das über diplomatische Kanäle mit dem Heiligen Stuhl korrespondiert.

Wer im Vatikan darauf hinweist, dass Franziskus einen doch eher autoritären Führungsstil pflegt, kann auf eine Äußerung verweisen, die der Papst selber im September 2013 in einem Interview gegenüber Antonio Spadaro SJ, dem Chefredakteur der Jesuitenzeitschrift „Civilta Cattolica“ gemacht hat. Damals sagte er mit Rückblick auf die Jahre nach seiner Zeit als Ordensprovinzial in Argentinien: „Meine autoritäre und schnelle Art, Entscheidungen zu treffen, hat mir ernste Probleme und die Beschuldigung eingebracht, ultrakonservativ zu sein. Ich habe eine Zeit einer großen inneren Krise durchgemacht, als ich in Córdoba lebte. Nun bin ich sicher nicht wie die selige Imelda (wie ein Tugendlamm, Anm. d. Redaktion) gewesen, aber ich bin nie einer von den ,Rechten‘ gewesen. Es war meine autoritäre Art, Entscheidungen zu treffen, die Probleme verursachte.“ Immer häufiger wird derzeit in Vatikankreisen auf die offensichtlich immer noch vorhandene Art und Weise von Papst Bergoglio verwiesen, eigenmächtig Entscheidungen zu treffen und diese durchzusetzen.