Bürgerkrieg im Libanon

Hatte Israel doch Recht, als es vor zwei Jahren seinen umstrittenen Krieg gegen die Hisbollah im Libanon führte? Die jüngsten Kämpfe im Libanon lassen diese Frage aufkommen. Was sich gerade in der Hauptstadt Beirut ereignet, erinnert zudem in fataler Weise an das Vorgehen der Hamas im Gaza-Streifen, die dort vor einem Jahr geradezu handstreichartig die Kontrolle übernahm. Beide Organisationen, Hisbollah wie Hamas, sind sich in ihrer radikal-islamischen Ausrichtung und ihrem Hass auf Israel sehr ähnlich. Beide scheuen nicht davor zurück, ihren Willen auch unter Einsatz massiver militärischer Gewalt durchzusetzen.

Israel wollte der Hisbollah im Sommer 2006 die Flügel stutzen – vergeblich. Was nach den jüngsten Kämpfen im Libanon auch für die Vereinten Nationen und deren Bemühen gilt, die Hisbollah zu entwaffnen: Hatten die – unter anderem – deutschen, italienischen und französischen Soldaten unter UN-Mandat in den vergangenen zwei Jahren mit ihren Fregatten, Flugzeugträgern und Kampfpanzern nicht den Auftrag, den Waffenhandel mit der Hisbollah zu unterbinden? Offenbar war ihnen dabei wenig Erfolg beschieden. Gegen die Organisation direkt vorgehen, die im Libanon längst zum Staat im Staat geworden ist, durften sie ohnehin nicht.

In den Palästinensergebieten hatten die Auseinandersetzungen zwischen Hamas und Fatah die Aufteilung der Macht in Gaza-Streifen und Westjordanland zur Folge. Für den multikonfessionellen Libanon wird das keine „Lösung“ sein. Es sieht leider danach aus, dass das leidgeprüfte Land erneut am Rande eines blutigen Bürgerkrieges steht. Oder besser: Wenn sich gegnerische Milizen auf offener Straße beschießen, wenn es wie jetzt Tote und Verwundete gibt und die Bevölkerung flieht, dann hat dieser Bürgerkrieg bereits begonnen. kgm