Potsdam

Brandenburg: Werbung für gesetzeswidrige Bestattungsmethoden

In Brandenburg wirbt ein Bestattungsunternehmen online für die „ Alternative Baumbestattung zu Hause“ sowie Pflanzsubstrate aus Totenasche. Die Grünen im Landtag üben Kritik, während die Regierung eine Gewerbeuntersagung in Erwägung zieht.

Brandenburg: Grüne kritisieren Werbung für alternative Bestattungsformen
Das Unternehmen „Märkische Erd-, Feuer- und Seebestattung“ wirbt auf seiner Homepage für eine "Alternative Baumbestattung zu Hause". Foto: Thomas Frey (dpa)

Die Grünen im Brandenburger Landtag kritisieren, dass in Brandenburg offenbar für Bestattungsformen geworben wird, die gegen das Bestattungsgesetz des Bundeslandes verstoßen. Darauf weist der Landtagsabgeordnete Axel Vogel in einer Kleinen Anfrage an die Brandenburger Landesregierung hin, die dieser Zeitung vorliegt.

Ein Bestattungsunternehmen im Fokus der Kritik

„In  Brandenburg wird in Zeitungsanzeigen sowie im Internet für alternative Bestattungsformen geworben, die aller Wahrscheinlichkeit nach im Widerspruch zum Brandenburgischen Bestattungsgesetz stehen“, so der Grünen-Abgeordnete Vogel in der Anfrage. Ein  Beispiel sei die sogenannte „Alternative Baumbestattung zu Hause“. Laut Vogel handele es sich dabei „um eine Feuerbestattung, bei der die Verstorbenen in einem Krematorium im Ausland verbrannt werden. Die Asche wird dann ohne besondere Deklaration nach Deutschland zurückgeführt“.

Vogel bezieht seine Kritik auf das Unternehmen „Märkische Erd-, Feuer- und Seebestattung“.  Dieses wirbt auf seiner Homepage für solche Methoden und weist gleichzeitig darauf hin, dass es sich dabei zwar um eine Ordnungswidrigkeit, nicht aber um eine Straftat handele. Der Verdacht einer Ordnungswidrigkeit sei für eine deutsche Behörde nie Grund zu „drakonischen Maßnahmen, wie zum Beispiel Hausdurchsuchungen“. Wegen der Unverhältnismäßigkeit wären solche Maßnahmen unzulässig, so der Bestattungsanbieter.

Inhaber bezeichnet sich als "praktizierenden Christen"

Als weitere angeblich legale Methode, kritisiert der Grünen-Politiker Vogel, werbe das Unternehmen dafür, aus der Asche ein Pflanzsubstrat zu erstellen und in diese „Lebensbäume“ zu pflanzen oder die Asche über dem Erzgebirge in der Luft zu verteilen.

Raymund Stelzer, der Inhaber und Ansprechpartner des Unternehmens, ist laut Homepage „praktizierender Christ“. Die Märkische Erd-, Feuer- und Seebestattung sei zudem ein christliches Bestattungsunternehmen, „obwohl diese mit alternativen Beisetzungsformen vertraut ist“.

Landesregierung lehnt gesetzeswidrige Bestattungsformen ab

In ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage der Grünen lehnt die Brandenburger Landesregierung Werbung für nicht gesetzeskonforme Bestattungsformen ab. Die Regierung verweist darauf, dass ordnungswidrig handele, „wer die Totenasche ganz oder teilweise der Beisetzung entzieht oder die Möglichkeit der Entziehung vermittelt“. Wer im Internet für das Begehen einer Ordnungswidrigkeit werbe, begehe eine selbstständig verfolgbare Ordnungswidrigkeit.

Darüber hinaus könne die zuständige örtliche Ordnungsbehörde prüfen, ob die Voraussetzungen für eine Gewerbeuntersagung wegen persönlicher Unzuverlässigkeit eines Gewerbetreibenden vorliegen. Die wiederholte Begehung von Ordnungswidrigkeiten im Bestattungsrecht könne eine solche Prognose rechtfertigen. Wie häufig gegen das Bestattungsgesetz verstoßen worden ist, sei der Landesregierung jedoch nicht bekannt.

DT/mlu

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