Blutiger Anschlag erschüttert Türkei

Istanbul (DT/dpa) Bei dem schlimmsten Anschlag in Istanbul seit fünf Jahren sind mindestens 17 Menschen getötet und mehr als 150 verletzt worden. Welche Gruppe hinter dem Attentat steht, war zunächst noch unklar. Die Sicherheitsbehörden hatten direkt nach dem Anschlag die kurdische Untergrundorganisation PKK (Kurdische Arbeiterpartei) als Urheber vermutet. Die PKK wies gestern jedoch jegliche Verantwortung zurück. „Dieses Ereignis hat keinerlei Verbindung zum Kampf der Kurden für Freiheit“, sagte der Leiter der politischen Sektion der Partei, Zubeyir Aydar, gegenüber der mit der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei verbundenen Nachrichtenagentur Firat. Nach der Explosion am Sonntag waren im Keller eines Appartementblocks zudem drei Teenager als Tatverdächtige verhaftet worden. Sie bestritten die Tat jedoch und gaben an, sich dort aus Furcht versteckt zu haben, wie die Agentur ANKA berichtete. Das Auswärtige Amt erneuerte unterdessen seine Sicherheitshinweise für die Türkei.

Nach Angaben des Gouverneurs von Istanbul, Muammer Güler, war am Sonntag gegen 21.45 Uhr Ortszeit in einem Abfallkorb auf einer belebten Straße des Stadtbezirks Güngören auf der europäischen Seite der Stadt eine kleine Bombe explodiert. Als Menschen herbeiströmten, sei gegen 22 Uhr die eigentliche Bombe explodiert. Ziel des Attentats sei es gewesen, so viele Menschen wie möglich zu treffen, sagte Güler. „Mit Gewalt, dem Töten unschuldiger Menschen und Terrorismus können keine Ziele erreicht werden“, betonte Präsident Abdullah Gül nach den Explosionen. Premierminister Recep Tayyip Erdogan sagte seine Termine ab, um sofort nach Istanbul zu reisen. NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer verurteilte den Bombenanschlag scharf. EU-Chefdiplomat Javier Solana sicherte der Türkei die Unterstützung der Europäischen Union zu. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zeigte sich ebenfalls erschüttert: „Deutschland ist in dieser schwierigen Lage an der Seite der Türkei und seiner Menschen.“