„Blogo ergo sum“

Der Internet-Wahn hat längst schon den „orbis catholicus“ erreicht

Von Guido Horst

Gute alte Zeit, als man sich noch mit Handwerklichem ablenkte. Übersprunghandlungen nennt man das wohl, wenn man sich im täglichen Arbeitskampf kurz etwas ganz anderem widmet. Das nächste Blatt Papier kam in die Schreibmaschine, doch vorher schnell noch ein paar Tassen abgespült. Kurze Pause bei der Recherche in dicken Büchern: Ein paar Minuten lang die Pflanzen im Zimmer gegossen. Und schon ist der Kopf wieder frei für Lektüre und Studium.

Das war einmal. In den Zeiten des Internets findet sowas gleich am Computer statt. Man springt kurz hinein in die virtuellen Welten, wo es alles zu sehen und zu erfahren gibt. Früher griff man zur Abwechslung nach der Zeitung und durchstöberte das Feuilleton. Heute klickt man es schnell an, die Online-Medien bringen minütlich Neues, und von dort geht es gleich weiter. „Blogo ergo sum“ heißt die Devise. Nur wer seinen Blog hat, seine Homepage, wer „verlinkt“ ist und zur „community“ der Internet-Existenzen gehört, darf behaupten, überhaupt zu sein.

Ein Phänomen, das längst auf den „orbis catholicus“ übergegriffen hat. Schnell ein Filmchen bei „kathTube“ oder „gloria.tv“, ein Mausklick auf „H2O“, die Nachrichten-Spots aus dem Umfeld von „Zenit“, oder auf eine der vielen Papst-Benedikt-Seiten. Und von „vatican.va“ geht es weiter zu „kath. net“, um zu sehen, was es an kirchlichen Nachrichten sonst noch so alles Neues gibt.

Während die Beine verkümmern, werden die Finger immer schneller, die Übersprunghandlungen immer häufiger. Geschirr häuft sich, die Pflanzen vertrocknen, aber auf dem heimischen Computer tanzen die virtuellen Seiten – man sieht so viel, dass man gar nichts mehr weiß. „Mails“ und „Postings“ in rauen Mengen, blogen, bis der Arzt kommt. Soll das noch Erholung sein?