Bischof Ulrich Neymeyr warnt vor der AfD

Im „Tagespost“-Interview spricht der Oberhirte von Erfurt von „nationalpopulistischen“ Tendenzen – Aber man müsse mit der Partei reden

Bischof Ulrich Neymeyr beim Leipziger Katholikentag. Foto: KNA
Bischof Ulrich Neymeyr beim Leipziger Katholikentag. Foto: KNA

Würzburg (DT/gho) Vor allem in der Flüchtlings- und Ausländerpolitik sieht der neue Bischof von Erfurt, Ulrich Neymeyr, „kaum eine Gemeinsamkeit, auf die sich Kirche und AfD verständigen könnten“. Das erklärte Neymeyr, der seit knapp zwei Jahren im Amt ist, jetzt in einem Interview mit dieser Zeitung, das in der heutigen Ausgabe der „Tagespost“ erscheint (siehe Seiten 5 und 6). Jedoch würde er nicht so weit gehen und sagen, dass diese Partei für Katholiken nicht wählbar sei.

„Allerdings“, so fügt er an, „müssen wir hinhören – gerade hier in Thüringen – welche Töne kommen und ob sie nationalistisch sind. Beim Stichwort Abgrenzung gegenüber anderen Nationen muss man aufpassen, ob der an sich schon bedenkliche Nationalpopulismus nicht noch weiter nach rechts abdriftet. Man muss das ganze Parteiprogramm sehen und schauen, ob einzelne Schnittmengen mit Positionen der katholischen Kirche es rechtfertigen, diese Partei zu wählen.“ Immerhin, so Neymeyr, gebe es keine politische Partei, deren Programm eins zu eins mit der Lehre der katholischen Kirche übereinstimmen würde. Bei der Frage, wie sich Christen grundsätzlich zur AfD stellen sollten, empfiehlt der Bischof auch einen Blick auf deren Entwicklung. „Aktuell steht bei der Partei die Ausländer- und Islamfrage im Mittelpunkt. Davor waren es aber andere Themen, die die Menschen zur AfD gebracht haben: die Eurokritik, die Finanzpolitik, Familien- und Bildungspolitik. Damals haben nicht wenige gesagt: Für mich bleibt nur noch die AfD. Wir müssen mit der AfD politisch diskutieren.“ So habe er es nicht richtig gefunden, dass die AfD beim jüngsten Katholikentag grundsätzlich nicht eingeladen wurde.

Als ausgesprochen bedenklich hat Neymeyr Kundgebungen in Thüringen erlebt, in denen es vor allem gegen Flüchtlinge und Ausländer ging. „Für uns Christen ist ein Flüchtling jemand, der bei uns Zuflucht gesucht hat. Ihm muss ich als Menschen begegnen und Mitgefühl für seine persönliche Not und Lage entwickeln. Das Problem bei den Kundgebungen der AfD hier in Erfurt war“, so der Bischof weiter, „dass genau dieses Mitgefühl mit den Flüchtlingen gefehlt hat. Da war überhaupt nichts von Empathie oder gar Solidarität zu spüren. Nur blanke Ablehnung.“ Dagegen sei es völlig in Ordnung, darüber zu diskutieren, „ob es richtig ist, Flüchtlinge in einer großen Zahl ins Land zu lassen, ob es innenpolitische Sicherheitsbedenken gibt und wie die Integration überhaupt geschehen soll“, sagt Neymeyr.

Die AfD in Thüringen sei schon sehr nationalpopulistisch, meint der Bischof weiter. „Angriffe auf die Bischöfe und die Kirche gab es auch“, wobei Neymeyr die Lichtabschaltung am Erfurter Dom anführt. „Das wurde total auf mich personalisiert – ganz so, als würde ich da abends hingehen und am Lichtschalter drehen. Dabei weiß ich gar nicht, wo der ist. Die Entscheidung, die Dombeleuchtung bei den AfD-Kundgebungen abzuschalten, wurde einstimmig vom Domkapitel und mit Zustimmung des Ordinariatsrates gefällt. Dieses Zeichen hat viele Emotionen geweckt, nicht nur bei den Christen.“ Hassmails habe es auch gegeben. Von den enthemmten Kommentaren in den sozialen Netzwerken ganz zu schweigen. „Aber es haben sich auch kritische Stimmen zu Wort gemeldet, darunter die von Katholiken, die vor allen Dingen vor dem radikalen Auftreten des Islam gewarnt haben“, so Neymeyr.