Bischof Genn verteidigt Zölibat

Münsteraner Oberhirte unterstreicht zentrale Rolle des Gebets für geistliche Berufe und für mehr Sensibilität für die Lebensform Jesu

Freiburg/Münster (DT/pbm/sk) Der Bischof von Münster, Felix Genn, hat davor gewarnt, „dass man den Zölibat schlecht und dadurch tot reden kann“. Wichtig sei es vielmehr, deutlich zu machen, dass es beim Zölibat um die Lebensform Jesu gehe und dafür zu beten, dass die Sensibilität für diese Lebensform wachse. Bischof Genn, der auch Vorsitzender der Kommission für Geistliche Berufe und Kirchliche Dienste in der Deutschen Bischofskonferenz ist, äußerte sich am Sonntag bei einem Gottesdienst im Freiburger Münster. Dort feierte das Päpstliche Werk für Geistliche Berufe die Gründung des Frauenhilfswerkes für Priesterberufungen vor 90 Jahren.

Bischof Genn unterstrich im Blick auf die Bitte im Matthäusevangelium um „Arbeiter für die Ernte Gottes“, dass in diese Bitte neben Priestern, Ordensleuten und Menschen in geistlichen Gemeinschaften heute auch die Frauen und Männer eingeschlossen würden, die sich „in den unterschiedlichen Diensten und Ämtern als Laien engagieren und sich herausgerufen wissen, für die Ernte Gottes mit zu sorgen. Wir alle, als getaufte Christinnen und Christen, sind darin gemeinsam gerufen, gesandt, gemeinsam Kirche. So müssen wir auch feststellen, dass dadurch aber der Blick auf die unmittelbare Berufung zum priesterlichen Dienst und in die Gemeinschaft derer, die in den Evangelischen Räten des Gehorsams, der Armut und der Jungfräulichkeit leben, etwas zurückgestellt wird“.

Der Bischof warnte vor der Auffassung, „dass wir nur ein paar Stellschrauben richtig drehen, ein paar Bedingungen ändern müssen“ und schon werde die Zahl der Priester wachsen. Häufig gebe es die Aussage, dass der Zölibat weg müsse. „Ich verhehle nicht, dass ich die Sorge vieler, die so argumentieren, durchaus verstehen kann, weil es eine Sorge ist um die Versorgung der Gemeinden, besonders im Blick auf die sonntägliche Eucharistie.“ Statt jedoch den Zölibat auch auf diesem Weg schlecht zu reden, sei es wichtig, das Zeugnis der unzähligen Frauen und Männer, die den Zölibat lebten, positiv zu akzentuieren. Eine zentrale Bedeutung komme dabei dem Gebet zu. Die Geschichte des Päpstlichen Werkes für Geistliche Berufe zeige die Bedeutung des Gebetes und veranschauliche auch, dass es nicht nur darum gehe, Programme zu entwickeln und sich zu überlegen, „wie wir das hinkriegen, um Kirche in die Zukunft zu führen“.

Bischof Genn warb vielmehr dafür, weiter um Berufungen von Frauen und Männern zu beten, die sich bewusst dafür entschieden, im Zölibat die Lebensform Jesu zu wählen. „Wenn Jesus zeigt, dass man so leben kann, wenn durch die Geschichte der Kirche hindurch erwiesen ist, dass man so leben kann, kann man dann nicht davon ausgehen, dass der Herr auch heute Herzen anrührt, sie unruhig macht?“, fragte der Bischof. Es gebe keinen Grund, verzagt zu sein, sagte er und betonte: „Wir brauchen, bei allen Diensten, die wertvoll, wichtig und im Laufe der Jahrzehnte gewachsen sind, wir brauchen auch Priester!“

Angesichts der sinkenden Priesterzahlen in den deutschen Bistümern hatte sich der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, in den vergangenen Wochen für eine Lockerungs des priesterlichen Zölibats ausgesprochen. Der Vorschlag war beim Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki und bei Fuldas Bischof Heinz Josef Algermissen auf entschiedene Ablehnung gestoßen (DT 1.9.2016 und DT 3.9.2016).