Betet um ein gutes Gelingen dieser Papst-Reise

„Kirche in Not“-Länderreferentin Marie-Ange Siebrecht über die letzten Vorbereitungen und Erwartungen im Heiligen Land

Was ist im Heiligen Land von den Vorbereitungen auf den Papst-Besuch zu spüren?

Die einzelnen Kirchen sind sehr mit der Vorbereitung beschäftigt. Natürlich freuen sich die Christen auf das Kommen des Heiligen Vaters. Man sieht zum Beispiel viele Plakate, die den Besuch des Papstes ankündigen. In Nazareth wird sogar eine Art Amphitheater gebaut, in dem die Messe mit dem Papst stattfinden wird. Auch in Bethlehem war schon etwas errichtet – im Flüchtlingscamp von Aida, das der Papst auch besuchen wird. Nur war die Bühne den Verantwortlichen wohl zu nahe an der Mauer, die das Heilige Land trennt, also wurde sie wieder verlegt. Sie sehen, es gibt noch viele kleine Probleme, aber die Leute vor Ort arbeiten zuversichtlich weiter und hoffen auf ein gutes Gelingen der Reise.

Wird jeder Christ, der den Heiligen Vater sehen will, auch die Möglichkeit dazu haben?

Nein, wahrscheinlich nicht. Auf alle Fälle nicht die Menschen in Gaza und nicht die Menschen in Bethlehem. Aber zumindest zu letzteren kommt der Papst ja noch direkt. Aber um die großen Messen in Nazareth oder Jerusalem zu besuchen, werden viele nicht die Erlaubnis bekommen.

Gerade unter den Christen aus Gaza waren nach dem Krieg um die Jahreswende auch Stimmen laut geworden, die daran zweifelten, ob es denn der richtige Zeitpunkt für einen Papstbesuch sei. Wie sehen Sie das?

Nun, wann ist überhaupt ein „richtiger Zeitpunkt“ für einen Papstbesuch im Heiligen Land? Das ist die große Frage. Es gibt immer irgendwas, was in dieser Region nicht stimmt. Ich kann nur sagen, was ich gesehen und gehört habe: Die Leute erwarten im Großen und Ganzen viel von diesem Papstbesuch. Vielleicht sogar zu viel. Denn der Papst wird sicher nicht alle Probleme lösen.

Was erwarten die Menschen und was kann der Papst erreichen?

Der Papst kann eigentlich nur guten Willen zeigen und versuchen, mit den politischen und kirchlichen Verantwortlichen zu sprechen. Aber aus Erfahrung weiß ich, wie mühsam das in Israel ist. Außerdem will er vor allem als Pilger ins Heilige Land reisen. Er will auch den Menschen sagen: „Ich bin bei Euch!“ Aber was kann er schon groß verändern? Er kann diese schreckliche Mauer durch seinen Besuch wohl kaum niederreißen. Aber es ist schon ein wichtiges Zeichen, dass er kommt. Ich bin neugierig, was er sagen wird. Welche Zielrichtungen seine Ansprachen haben, müssen wir abwarten.

Was können wir hier tun, um diese Papstreise so zu begleiten, dass sie auch den Menschen vor Ort eine Besserung ihrer Lage bringt?

Vor allem unser Gebet wünschen sich die Christen im Heiligen Land. Das haben wir überall gehört und auch der Patriarch hat uns vor unserer Abreise noch gesagt: „Ich habe alle Klöster im Heiligen Land um das Gebet für die Papstreise ersucht, damit sie ein Schritt nach vorne für die Christen sein wird.“ Dem stimme ich zu und sage: Gebet ist das allerwichtigste, das wir aus der Ferne beisteuern können. Und wer ins Heilige Land reist, der sollte darauf achten, dass er nicht nur die Heiligen Stätten besucht. Man sollte unbedingt auch die „lebendigen Steine“ besuchen. Denn die Menschen dort sind so froh, wenn sie merken, dass andere Christen Anteil nehmen an ihrem Leid und an ihrem Glück. Denn trotz aller Widrigkeiten: Das sind alles sehr lebendige Gemeinden!