Bei Schumacher siegt die Vernunft

Schwierigkeiten mit den Nacken? – Was soll der normale Römer dazu sagen?

Von Guido Horst

Um nach Jahren der biophysischen und soziokulturellen Anpassung an die Wahlheimat Rom die Inkulturation in dieser Stadt zu einem ultimativen Abschluss zu bringen, haben wir uns – wie schon Millionen Römer – ein „motorino“ (vulgo: Roller) gekauft. Und schon erntet man die ersten Früchte. Als einer von ihnen jetzt endgültig ernst genommen, fragen die Römer nach Versicherung und Preis des neuen Gefährts, sie bitten, sich einmal draufsetzen und die Qualität des Motors selber anhand der Vibration taxieren zu dürfen – man klatscht einem auf die Schulter und selbst der Hausmeister hat einen erstmals angelacht. Angekommen!

Da aber unsereins schon John Lennon die Hand und im ersten VW-Käfer beim Kuppeln noch Zwischengas gegeben hat – also unendlich viele Jahre auf dem Buckel trägt –, zahlt man dafür auch einen hohen Preis: Jedes Schlagloch stößt die Wirbelsäule tief in den Schädel hinein, auf Kopfsteinpflaster knacken die alten Knochen und an den Ampeln lässt jeder der üblichen Massenstarts mitsamt den anderen „motorinos“ den Blutdruck in unendliche Höhen steigen.

Und da kommt jetzt dieser Kerpener, dieser Jungspunt und trainierte Held der Piste, an dem die Augen ganz Italiens hängen, und behauptet schlichtweg, er könne seinen roten Bolliden nicht mehr fahren. Obwohl gut verpackt und abgefedert, sei das in diesem Rennwagen wohl doch zu ungesund. Schwierigkeiten mit dem Nacken, heißt es. Und während wir unseren Nacken noch reiben, weil heute nicht nur Schlaglöcher und Kopfsteinpflaster auf dem Programm standen, sondern auch eine Buckelpiste am Badestrand, bewundern wir die teutonische Vernunft des Ferrari-Veterans. Aber wir kamen ja nicht nach Rom, um vernünftig zu sein. Erst die Fährnisse des Straßenverkehrs geben dem Leben seinen Reiz. Millionen Römer können da nicht irren!