Ausländerfeindliches Neuheidentum

Rechtsextreme Organisationen wie der III. Weg nehmen nicht nur Zuwanderung, sondern auch christliche Feste und Kultur ins Visier. Von Christoph Hämmelmann

Manche haben damit ein Problem. Foto: dpa
Manche haben damit ein Problem. Foto: dpa

Richtig spannend soll es für Kinder werden, wenn ihnen der Vorleser die alte Sage erzählt: Große Gesten soll er machen. Und zwischendrin mit der Stimme ganz laut werden. Immerhin geht es um den Donnergott, der nach seiner Winterpause nun wieder rumpelt. „Hammers Heimholung“ heißt so eine Frühlingsparty, schreibt die rechtsextreme Partei III. Weg auf ihrer Internetseite. Dort gibt sie nicht nur Tipps fürs fröhliche Feiern, sondern nennt auch einen Termin: Das Fest fällt alljährlich auf jenen Tag, an dem die Kirche Christi Himmelfahrt begeht.

Sonst wettert die von dem Wahl-Pfälzer Klaus Armstroff geführte Truppe vor allem gegen Einwanderer. Bei ihren einschlägigen Kundgebungen marschieren Leute wie Karl-Heinz Statzberger mit. Der Neonazi war 2003 in einen versuchten Sprengstoffanschlag auf das jüdische Kulturzentrum in München verwickelt. Schlagzeilen hat die Partei gemacht, als sie monatelang Standorte von Flüchtlingsunterkünften im Internet sammelte. „Kein Asylantenheim in meiner Nachbarschaft“, stand über diesem Verzeichnis, das Google als Anbieter der Funktion nach einem Proteststurm aus dem Netz warf. Wenige Tage später war die Karte wieder da, nun unter neutralerem Titel.

Auf ihrer eigenen Internet-Seite bietet die Partei einen 21-Seiten-Leitfaden für Anwohner, die den Bau einer Flüchtlingsunterkunft verhindern wollen. Aufgelistet sind dort Tipps wie: eine Bürgerinitiative gründen, Facebook-Seiten einrichten und Flugblätter drucken. Dieses Programm haben die Extremisten im vorderpfälzischen Limburgerhof auch schon selbst abgespult. Nach ein paar Wochen Agitation loderten dort aus dem halbfertigen Flüchtlingsheim Flammen – Brandstiftung. Armstroff bekannte sich daraufhin zum ausschließlich „politischen Widerstand“. Doch er fügte hinzu: Er und seine Parteifreunde könnten „Deutsche verstehen, die darüber hinaus aktiv sind“.

Dabei stört sich der III. Weg nicht nur an Zuwanderung: „Leider sind es nach wie vor die christlichen Werte, die unser Tagesgeschehen und den Jahreslauf mit seinen Festen im Allgemeinen bestimmen“, steht auf seiner Internet-Seite. Also tauchen dort immer wieder Texte über angeblich heidnisch-germanische Feste auf, die das Christentum verdrängt habe: den „Kornmuttertag“ an Mariä Himmelfahrt oder das „Ostara-Fest“ an Ostern. Ganz neu ist das nicht: Die NPD zum Beispiel hat in den Weiten des Pfälzerwalds schon häufiger die Sommersonnenwende begangen. Mit mutmaßlich ernst gemeinter „Feuerrede“, aber auch mit Gaudi-Elementen wie Teebeutelweitwurf und Sackhüpfen.

Der III. Weg hingegen scheint die Heidentümelei ernster zu nehmen. Verfassungsschützer schätzten noch vor ein paar Monaten, dass die Truppe bundesweit gerade einmal etwa 200 Mitglieder habe. Doch sie sagen auch: Es sind oft vergleichsweise disziplinierte Leute, die dort landen. Und: Es sind die besonders radikalen. Die Partei kombiniert auf T-Shirts ganz ungeniert die Begriffe „national“ und „sozialistisch“. Mit regionalen „Stützpunkten“ ist sie in Rheinland-Pfalz präsent, vor allem aber in den östlichen Bundesländern – und in Bayern. Dort ist sie das Sammelbecken für „Kameraden“ aus dem „Freien Netz Süd“. Das hatte der bayerische Innenminister 2014 im Juli 2014 verboten.

Der III. Weg wiederum ist nach eigenen Angaben im September 2013 in Heidelberg gegründet worden. Nazi-Jäger wittern deshalb eine groß angelegte Verschwörung. Ihr Verdacht: Weil das staatlich verfügte Ende des Kameradschaftsnetzes absehbar war, bildeten seine Mitglieder vorab eine Ersatzorganisation. Die sollte erstens eine politische Partei sein, weil sie schwerer zu verbieten ist als ein simpler Verein. Und zweiten sollte sie auch äußerlich Abstand wahren, um nicht sofort als Nachfolge-Organisation erkennbar zu werden. Der mitten im Pfälzerwald residierende Bundesvorsitzende Armstroff wäre demnach kaum mehr als die Schaufensterpuppe bayerischer Hintermänner.

Verfassungsschützer allerdings trauen der notorisch zerstrittenen Szene derart ausgefeilte Manöver nicht zu. Sie gehen davon aus, dass Kameradschaftsanhänger und enttäuschte NPD-Mitglieder eher zufällig im passenden Moment zusammenfanden. Trotzdem haben auch sie Zweifel daran, dass Armstroff, Pensionsbetreiber und gelernter Elektriker, tatsächlich das Zeug zum Vordenker einer neuen Partei hat. Er selbst schweigt, wenn ihn Journalisten nach seiner Rolle fragen. Beim Bundesparteitag in Thüringen soll er jetzt jedenfalls „mit sehr großer Mehrheit“ wiedergewählt worden sein. Hauptredner allerdings war ein promovierter Politikwissenschaftler.

Der Franzose Pierre Krebs versucht schon seit den 1960-er Jahren, rechtsextreme Parolen intellektuell zu überhöhen. Außerdem pflegt er die heidnisch-religiösen Ideen der „Artgemeinschaft“. Dieser verschwiegene Esoteriker-Kreis sieht sich als Glaubensgemeinschaft, wichtige Quelle seiner Lehre sind „Zeugnisse unserer vorchristlichen germanischen Vergangenheit“. Dabei bleibt es den Anhängern selbst überlassen, ob sie tatsächlich an die alten Götter glauben oder Mythen eher symbolisch deuten. So verbindlich wie ein Dogma allerdings ist für sie das „Artbekenntnis“ zur „fälischen“ und „nordischen Rasse“ – und zum „nie endenden Lebenskampf“.

Weite Teile ihres Internet-Auftritts füllt die „Artgemeinschaft“ zudem mit antichristlichen Tiraden. Beim Patentamt hat sie sich auch eine dazu passende Bildmarke schützen lassen. Sie zeigt einen grimmigen Adler, dessen scharfe Klauen sich in einen Fisch bohren – eine klare Kampfansage ans Christentum. Szenekenner sagen: Der in der DDR aufgewachsene III.-Weg-Chef Armstroff hält schon lange Kontakt zu diesen Anti-Christen, deren Anhänger als „Gefährtschaft Kurpfalz“ in seiner Umgebung auch eine eigene Untergruppe bilden. In den vergangenen Jahren haben sie sich in Worms regelmäßig zu „Volkstanz-Tagen“ getroffen.

Entsprechende Darbietungen standen auch beim Bundesparteitag des III. Wegs auf dem Programm. Samt einem Bastelprogramm für Kinder, um die sich die Partei ja auch bei ihren Festtagstipps zu „Hammers Heimholung“ so bemüht. Sie empfiehlt: Nach dem Vorlesen der Donnergott-Sage kann „mit dem Hammerwerfen auf Eisriesen zum gemütlichen Teil übergangen werden“.