Auftrieb und Lebenskraft für Kuba

Padre Castor José Alvarez Devesa zieht eine positive Bilanz des Papstbesuches. Von Andreas Thonhauser

Was bedeutete der Besuch des Papstes für Kubas Kirche und die Gesellschaft auf der kommunistischen Karibikinsel?

Im Vorfeld der Papstreise und auch in den vergangenen Tagen wurde immer wieder von einem Frühling des Glaubens gesprochen. Ich bin der Meinung, dass diese Formulierung tatsächlich zutreffend ist. Die Kirche Kubas hat dem Besuch Papst Benedikts mit großer Sehnsucht entgegengefiebert. Dass das Oberhaupt der katholischen Kirche zu uns nach Kuba kommt, bedeutet viel für uns und unsere Kirche. Immerhin leben wir in einem Land, in dem das Reisen noch immer ein Privileg weniger ist. Mit dem Papst ist die ganze Welt zu uns nach Havanna gekommen. Die offensichtliche Verbundenheit des Heiligen Vaters mit dem kubanischen Volk gibt der gesamten Kirche Auftrieb und Lebenskraft.

In seinen Ansprachen forderte der Papst auch Öffnung und mehr religiöse Freiheit auf Kuba. Wie notwendig waren diese Appelle?

Sehr notwendig. Ich habe oft den Eindruck, dass wir uns zu schnell mit wenig zufrieden geben. Dass der Papst die Möglichkeit eigener kirchlicher Schulen einforderte, war sehr wichtig. Gleichzeitig muss man auch sehen, dass erst kürzlich das Priesterseminar in Havanna im Beisein des Präsidenten eröffnet wurde. Die Situation ist also nicht unbedingt schlecht für uns. Das wurde auch vom Heiligen Vater immer wieder betont. Er erkannte die Fortschritte an, die Kuba gerade auch mit Blick auf die religiöse Freiheit gemacht hat und unterstützte diesen neuen Kurs durch seine Anwesenheit und die konkreten Worte, die er dafür fand.

Sie waren am Platz der Revolution und nahmen an der heiligen Messe zum Abschluss der Papstreise teil...

Der Gottesdienst war zwar wunderschön, allerdings eher in der europäischen Mentalität verhaftet als in der karibischen. Wir Kubaner feiern normalerweise ausgelassener, klatschen gerne und singen lautstark. Diesmal stand ganz klar die Liturgie im Vordergrund. Mit eineinhalb Stunden war die Feier allerdings auch recht kurz. Ich hatte das Gefühl, dass viele Gläubige eher verhalten reagierten, weil sie unsicher waren, wieviel Euphorie sie tatsächlich zeigen sollen oder dürfen. Ich fand alle Ansprachen des Heiligen Vaters toll, aber die Predigt am Platz der Revolution, wo bereits Papst Johannes Paul II. den großen Gottesdienst gefeiert hatte, beeindruckte mich sehr. Benedikt XVI. fand deutliche Worte für uns, aber auch in Richtung Staat. Ich glaube, dass das Hauptthema von „Freiheit und Wahrheit“ auch für Kubas Kirche maßgeblich werden muss. Gerade als Priester sind wir nun dazu aufgerufen, noch intensiver Zeugnis für die Wahrheit abzulegen, Mission tatsächlich zu leben und Menschen wieder neu für Jesus Christus zu begeistern. Auch das machte Papst Benedikt XVI. unmissverständlich klar: Kuba braucht eine missionarische Kirche.

Wie wird es jetzt weitergehen auf Kuba? Kommt die Erlaubnis für die Kirche, im Bildungswesen tätig zu sein?

Ich hoffe, dass wir bald die Möglichkeit haben werden, viele Schulen zu eröffnen. Allerdings ist das nicht nur eine Frage der Erlaubnis, sondern auch eine der Möglichkeiten. Es gibt ja bereits vereinzelte Bildungsinitiativen der Kirchen, allerdings mit sehr kleiner Breitenwirkung. Nur braucht Kubas Hilfe neben der geistigen Unterstützung auch materielle. Ich habe allein in meiner Pfarre 140 Katechumenen, die sich auf die Taufe zu Ostern vorbereiten. Kein einziger besitzt eine Bibel und ich habe keine mehr zu verschenken. Auch fehlende Mittel sind eine schmerzhafte Einschränkung in dem was wir tun, nicht nur der legale Rahmen, in dem wir uns bewegen.