Auf zu neuen Ufern!

Aber, Monsieur le Président: Das Mittelmeer ist doch nur eine Badewanne

Von Stefan Baier

Am 13. Juli, am Vorabend des Französischen Nationalfeiertags und 14 Tage nach dem Start der französischen EU-Ratspräsidentschaft, will Nicolas Sarkozy in Paris mit ortsüblicher Feierlichkeit die von ihm erfundene Mittelmeer-Union aus der Taufe heben. Gerade jetzt aber nimmt die EU-Kommission dem Präsidenten Frankreichs sein liebstes Spielzeug weg. Sarkozy wollte zwei Jahre mit Ägyptens Präsident Mubarak die Doppelspitze der Mittelmeer-Union bilden. Als – so der Vertrag von Lissabon 2009 in Kraft tritt – letzter rotierender EU-Ratspräsident und erster dauerhafter Präsident der Mittelmeer-Union hätte Sarkozy ganz Europa demonstriert, dass die Europäische Union für ihn viel zu klein ist.

Daraus wird nun fast nichts, denn zuerst verwandelte Frau Merkel Sarkozys mediterranes Projekt in ein gesamteuropäisches, und nun kommt auch noch die lästige Brüsseler Kommission, um Paris überflüssigerweise zu erklären, warum sie europäische Angelegenheiten für Angelegenheiten Europas hält: So soll der künftig dauerhafte Ratspräsident der Europäischen Union zusammen mit dem Kommissionspräsidenten den europäischen Part an der mediterranen Spitze bilden.

Sarkozy, wendig bis zur Sprunghaftigkeit, muss sich ein neues Spielzeug suchen. Glücklicherweise grenzt Frankreich nicht nur an das Mittelmeer, sondern auch an den Atlantik. Was läge da näher als die Gründung einer „Atlantik-Union“, in der Sarkozy zusammen mit einem beliebigen amerikanischen Präsidenten die Doppelspitze mimen könnte. Wenn der Präsident aller Franzosen, der bald auch Ratspräsident fast aller Europäer sein wird, sich dann noch Napoleon IV. nennt, muss sich die EU-Kommission etwas einfallen lassen. Aus historischen Gründen warnen wir vor einem Exil auf Elba. Bewährt hat sich St. Helena im südlichen Atlantik.