„Auch die Lebensmodelle der älteren Generation würdigen“

80 Jahre kfd – Die Bundesvorsitzende befürwortet größere gesellschaftliche Anerkennung der Familienarbeit

Am Wochenende tritt die Delegiertenversammlung der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands zusammen, um ein Leitbild zu verabschieden. Einen Tag später feiert der Bundesverband mit prominenten Gästen sein 80-jähriges Bestehen. Regina Einig fragte die kfd-Bundesvorsitzende Magdalena Bogner über die Rolle die Mütter für den Verband, dessen Mitglieder heute im Durchschnitt ca. 60 Jahre alt sind.

Bedauern Sie, dass das Lebensmodell Hausfrau und Mutter in den Leitlinien 1999 nicht explizit gewürdigt wurde?

In den Leitlinien wurde ausdrücklich die Familienarbeit gewürdigt. Wir sprechen auch eher von Familienfrauen als von Hausfrauen, weil damit die Familienarbeit in den Blick rückt. In den Leitlinien heißt es allerdings ausdrücklich, dass bedauert wird, dass die Gesellschaft unbezahlte Haus- und Familienarbeit nicht entsprechend anerkennt und die kfd eine gleichwertige Anerkennung von Erwerbsarbeit und Familienarbeit fordert. Auch ist von der angestrebten Wahlfreiheit die Rede. Familienarbeit hat in der Arbeit des Verbandes einen hohen Stellenwert.

In den familienpolitischen Debatten der Vergangenheit waren es in der Regel Bischöfe, die öffentlich Akzente gesetzt haben. Katholische Laien sieht man selten in Talkshows...

Ich bedaure dies. Die Gründe dafür sind verschieden. Zum einen nehmen Medien in der säkularen Umgebung Kirche eher über die Bischöfe wahr als über die Laien. Dass Bischöfe und Laien gemeinsam Kirche bilden, ist dort wenig bewusst. Zum anderen glaube ich, dass die Medien wenig interessiert sind an differenzierten Aussagen, sondern eher an einseitig zugespitzten. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass das „Design“ einer Talkshow eher auf polarisierende Debatten angelegt ist und weniger auf ernsthaft differenzierende Auseinandersetzung. Wenn ich als Frau an der Spitze eines großen Frauenverbandes in eine Talkshow gehe, dann ist mir daran gelegen, differenziert und nicht polarisierend dort zu sprechen. Das ist nicht immer gewünscht. Im übrigen gibt es Bischöfe, die ausdrücklich bedauern, dass kein breites Spektrum von Kirchenvertreterinnen und -vertretern angefragt wird.

Vielleicht könnte die Kirche auch etwas selbstkritisch sein: Ist es uns gelungen, in der katholischen Laienarbeit junge Spitzenkräfte heranzuziehen? Auch innerkirchlich repräsentieren ja doch meistens ältere Herrschaften die katholische Laienarbeit nach außen...

Sicher muss man hier auch selbstkritisch hinsehen. Aber es gibt natürlich jüngere sehr kompetente Frauen. In den Diskussionen der Vollversammlungen des ZdK zum Beispiel melden sich sowohl junge Frauen (wie Männer) zu den entsprechenden Sachfragen zu Wort.

Würde die Position der Familien durch die Einführung eines Familienwahlrechts gestärkt?

Über ein Familienwahlrecht kann man sicherlich diskutieren, um die Familien auch in der politischen Entscheidung zu stärken. Ob das das richtige Mittel ist, muss sehr genau geprüft werden. Dieses konkrete Thema steht bei der Bundesversammlung in den nächsten Tagen nicht explizit auf der Tagesordnung. Dort geht es darum, in der familienpolitischen Diskussion die Lebensrealitäten der jüngeren Frauen im Blick zu haben, ohne diejenigen der älteren Frauen, die auch unsere Mitglieder sind, mit deren Lebensmodellen weniger wertzuschätzen. Deshalb werden die Delegierten familienpolitische Positionen diskutieren, die zukunftsfähig sind und gleichzeitig den Realitäten Rechnung tragen, ohne dabei christliche Werte aufzugeben.