Armin Laschet

Der Rheinländer. Von Martin Lohmann

Armin Laschet

Er versteht sein Geschäft, ist gewinnend in der Begegnung. Er könnte wohl auch Kanzler. Armin Laschet ist CDU-Politiker. Und katholisch. Genauer: rheinisch-katholisch. Das ist jene Form der Katholizität, die einen Vertrag mit Fröhlichkeit, Unbekümmertheit, konkreter Unabhängigkeit und selbstbewusstem Gottvertrauen eingegangen ist. Pfarrjugend in Aachen-Burtscheid, Bischöfliches Pius-Gymnasium, Chef der Kirchenzeitung, Ratsherr, Bundestagsabgeordneter, Europaabgeordneter, Landtagsabgeordneter. Der in Aachen geborene und in der Kaiserstadt sozialisierte Laschet, der seit 2017 das bevölkerungsreichste Land NRW regiert, würde vermutlich öffentlich nie so weit gehen und eine alte rheinisch-katholische und auch selbstironische Mentalität bestätigen: Ich bin und bleibe katholisch, egal, wer unter mir Papst und Bischof ist. Das wäre nicht opportun in diesen Zeiten. Der studierte Jurist liebt und lebt eine eigene Selbstverständlichkeit katholischer Identität, die bei ihm von der studentischen CV-Verbindung bis zum Islam-Freund reicht.

Für seinen Draht ins konservative Milieu seiner Partei spielt sein getreuer Gefährte seit Jahren und jetziger Chef der Düsseldorfer Staatskanzlei, Natanael Liminski, eine wichtige Rolle. Der begabte katholische Spross aus konservativem Haus gehörte einst zu den aktiven jugendlichen Lebensschützern, die einst zur Stärkung für den damaligen und in Deutschland häufig missverstandenen Papst die „Generation Benedikt“ gründeten. Gleichwohl scheut sich Laschet nicht, die Kritik am Profilverlust der nach links geschobenen CDU – sicher zur Genugtuung der großen Vorsitzenden – keck und faktenwidrig zu kontern mit der intellektuell defizitären Erkenntnis, das Konservative sei nie „unser Markenkern“ gewesen. Die Dynamik einer – im Gegensatz zu linken Reaktionären – konservativen Zukunftskraft ohne Ideologieverklebtheit kann Laschet galant ausblenden.

Ein Aachener mit der Kompetenz zur Flexibilität. Er kann – oder konnte – für ein Kopftuchverbot sein, lobte Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab“ und galt als Gegner der sogenannten Ehe Gleichgeschlechtlicher. Der ehemalige Integrationsminister will heute ebenso selbstverständlich den Islam staatlich anerkennen. Das unerleuchtete Diktum eines Christian Wulff, der undifferenziert wegen der zu Deutschland gehörenden Muslime meinte, der Islam gehöre zu Deutschland, perpetuiert Laschet – wenn es denn merkeltechnisch passt. Manche Katholizität scheint eher im tagesaktuell dehnbaren ZdK-Katholizismus beheimatet zu sein, als im nachhaltig klaren Profil katholisch konservativer Prägung. Laschet versteht sein Polit-Geschäft.