Armer Homo Faber

Vieles ist käuflich, Glück aber nicht – Das spürt jetzt auch Silvio Berlusconi

Von Guido Horst

Wenn Veronica Lario ihrem Göttergatten mal so richtig eins reindrücken wollte, musste sie sich nur an die nationale Presse wenden. Besonders die links-liberale „Repubblica“ nahm alles gerne, was da an Schiefem und Schrägem aus dem Hause Berlusconi kam. Aber was heißt hier schon Haus? Silvio lernte die Schauspielerin 1980 kennen, und da er damals ein omnipräsenter und vielbeschäftigter Unternehmer war, zeugte er mit ihr drei Kinder, vergaß aber das Heiraten. Das holten sie 1990 nach, standesamtlich, denn es war Berlusconis zweite Ehe. Seit 1994 nun ist der Medienzar auch ein omnipräsenter und vielbeschäftigter Politiker. Seit dieser Zeit leben Silvio und Veronica nicht mehr unter einem Dach. Jetzt hieß es nur noch, mit den Kindern aus erster und zweiter Ehe das milliardenschwere Familienimperium zusammenzuhalten.

Seit dem Wochenende ist nun Schluss. Über die Medien, wie so oft, haben sie sich – zuerst sie, dann er – gegenseitig mitgeteilt, dass sie die Scheidung wollen. In Rüsselsheim sollten sie sich noch dreimal gut überlegen, wie das so in einer Ehe mit Italienern ist. Viel zu viele Frauengeschichten, und die Hübschesten holt er noch in die Politik, klagt Veronica. Die Signora ist auf Lügengeschichten der Zeitungen reingefallen, gibt Silvio zurück. Hättet ihr nur einmal direkt miteinander geredet!

Heute ist Silvio 72 Jahre alt, Veronica 53. Berlusconi steht auf dem Höhepunkt seiner politischen Macht. Aber der Widerspenstigen Zähmung ist ihm nicht gelungen. Berlusconi ist verbittert. Vieles ist käuflich, Glück aber nicht. Hinter der Fassade des mit allen Wassern gewaschenen Tycoons und strahlenden Politikers wird die Tragik eines Lebens sichtbar, das immer unter Erfolgsdruck stand. Homo Faber, sei ehrlich, hat sich das wirklich gelohnt?