Berlin

Anzahl der Suizide geht zurück

Handlungsbedarf bleibt. Vor allem bei der Prävention.

Im Jahr 2017 haben sich 9 241 Menschen in Deutschland das Leben genommen. Unter den Opfern hätten sich 6 990 Männer und 2 251 Frauen befunden. Das erklärte die Kommunikationsbeauftragte des Nationalen Suizidpräventionsprogramms (NaSpro), Hannah Müller-Pein, anlässlich des Welttages der Suizidprävention (10. September) unter Berufung auf die Gesundheitsberichterstattung des Bundes auf einer Pressekonferenz in Berlin.

Demnach kamen 2017 auf 100 000 Einwohner 11,2 Suizide. Zwar handele es sich bei den Zahlen um die niedrigste Anzahl der in Deutschland erhobenen Suizide seit deren Höchststand im Jahre 1981. Damals hätten sich 18 825 Menschen das Leben genommen. Dennoch bestehe weiter „großer Handlungsbedarf“. So stürben in Deutschland immer noch mehr Menschen durch Suizid als durch Verkehrsunfälle (2017: 3 180), Gewalttaten (2017: 731) und illegale Drogen (2017: 1 272) zusammen.

Alle 40 Sekunden weltweit ein Suizid

Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht weltweit von 800 000 Suiziden aus. Statistisch gesehen nimmt sich damit alle 40 Sekunden irgendwo auf den Globus ein Mensch das Leben. Die WHO schätzt, dass auf jeden vollendeten Suizid zwischen zehn und zwanzig Suizidversuche kommen.

Laut der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention ist Suizidalität ein schwerwiegendes Problem. Suizidversuche könnten als Hilferufe interpretiert werden. Sie müssten ernst genommen werden und könnten ein Hinweis auf das Vorhandensein ernst zu nehmender psychischer Erkrankungen sein. Rund jeder dritte Suizident unternehme nach dem ersten einen weiteren Suizidversuch. Im Vergleich zum Durchschnitt der Gesamtbevölkerung sei das Suizidrisiko erhöht bei Männern, Menschen im höheren Lebensalter, Menschen mit gleichgeschlechtlicher sexueller Orientierung sowie jungen Migranten. Als traumatisch erlebte Ereignisse wie der Verlust wichtiger Bezugspersonen, schwere Erkrankungen sowie die Veränderungen von Lebensumständen könnten Suizidgedanken auslösen.

Soziales Umfeld ist gefordert

Bei besonders vulnerablen Menschen könne bereits die Angst vor solchen Ereignissen Suizidgedanken hervorrufen. In aller Regel sendeten suizidgefährdete Menschen Signale aus und wünschten sich, dass andere darauf reagierten. Alarmierende Zeichen könnten sozialer Rückzug, Gleichgültigkeit, traurige Stimmung, Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung, Verwahrlosungstendenzen, selbstverletzendes Verhalten sowie der Missbrauch von Alkohol, Drogen und Medikamenten sein.

DT/reh