Annäherung an Taliban

Washington (DT/dpa) US-Präsident Barack Obama erwägt bei der gegenwärtigen Überprüfung der Afghanistanpolitik auch eine Annäherung an moderate Talibankämpfer. In einem Interview mit der „New York Times“ meinte Obama, „Teil des Erfolges im Irak schließt die Annäherung an Leute ein, die wir als islamische Fundamentalisten ansehen würden“. Die Lage in Afghanistan sei zwar schwieriger im Irak. Dennoch „könnte es vergleichbare Chancen in Afghanistan und in der Region Pakistan geben.“

Zugleich räumte Obama offen ein, dass sich die USA derzeit nicht auf der Siegerstraße befinden. Auf die Frage, ob die USA derzeit den Krieg gewinnen, antwortete Obama mit „Nein“. Er fügte außerdem in Hinblick auf die Sicherheitslage im Land hinzu: „Unsere Truppen machen in einer sehr schwierigen Situation einen außerordentlichen Job. Aber wir haben in den vergangenen Jahren eine Verschlechterung der Lage erlebt. Die Taliban sind heute dreister als sie waren.“

Bereits im Wahlkampf hatte Obama für eine Annäherung an moderate Taliban plädiert. Auch Verteidigungsminister Robert Gates hatte sich in den vergangenen Wochen bereits in ähnlicher Weise geäußert. Obama betonte, er wolle der gegenwärtigen Überprüfung der Afghanistan-Strategie durch die Militärs nicht vorgreifen. „Aber die Lage in Afghanistan ist komplexer“ als im Irak. So hätten dort etwa lokale Stämme einen historischen Hang zur Unabhängigkeit von der Staatsmacht.

Zugleich machte Obama aber unmissverständlich deutlich, dass verhindert werden müsse, dass Terroristen und El-Kaida-Kämpfer die afghanisch-pakistanische Grenzregion als Rückzugsgebiet nutzen. „Eine neue Afghanistanpolitik wird im Kern eine klügere Pakistanpolitik bedeuten.“