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AfD-Politiker bekräftigen bisherige Position zum Lebensschutz

Nach der Äußerung des neuen AfD-Bundessprechers Tino Chrupalla zur Selbstbestimmung der Frau verweisen mehrere AfD-Politiker wie Beatrix von Storch und Volker Münz auf das Grundsatzprogramm ihrer Partei.

AfD und Lebensschutz
Verweist beim Thema Lebensschutz aufs Grundsatzprogramm der AfD: die stellvertretende Bundessprecherin Beatrix von Storch. Foto: Julian Stratenschulte (dpa)

Die Aussagen des neuen AfD-Bundesvorsitzenden Tino Chrupalla mit Blick über die Bedeutung eines Selbsbebestimmungsrechtes der Frau bei der Frage nach der Rechtmäßigkeit von Abtreibungen haben unter Lebensrechtlern für Aufsehen gesorgt - bekennt sich die AfD doch in ihrem Grundsatzprogramm deutlich zu einer "Kultur des Lebens". Deutet sich hier nun eine inhaltliche Wende an? Die Tagespost hat bei prominenten AfD-Politikern, die sich im Lebensschutz engagieren, nachgefragt.

"Die AfD spricht sich als einzige Partei
ganz klar für eine Willkommenskultur
für Neu- und Ungeborene aus"
Beatrix von Storch, stellvertretende AfD-Bundessprecherin

„Die AfD spricht sich als einzige Partei ganz klar für eine Willkommenskultur für Neu- und Ungeborene aus. Da unterscheiden wir uns von den Altparteien: Bei uns geht es um eine ,Hinwendung zum Leben'. In unserem Grundsatzprogramm steht, dass die AfD sich gegen alle Versuche wendet, Abtreibungen zu bagatellisieren, staatlicherseits zu fördern oder sie zu einem Menschenrecht zu erklären", hebt Beatrix von Storch, stellvertretende AfD-Bundessprecherin, hervor.

Die evangelische Christin, die regelmäßig zu den Teilnehmern des Berliner "Marsches für das Leben" gehört, betont: "Tino Chrupalla und eine große Mehrheit in der AfD sehen das ganz genauso: keine staatliche Förderung oder Bagatellisierung von Abtreibungen." Die Grundlage für die AfD-Politik der "Willkommenskultur für Neu- und Ungeborene" sei das Grundgesetz und die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts, das Lebensrecht des ungeborenen Kindes zu schützen. "Darum begrüße ich auch ausdrücklich das Berliner Urteil von vergangener Woche zum 219a StGB zur illegalen Werbung für Abtreibungsdienste, dass die Werbung für Abtreibung, gerne unter dem Deckmantel der sogenannten Beratungsinformation versteckt, gemäß dem Gesetz mit einer Strafe belegt hat.“

Chrupalla hat sich "unglücklich" ausgedrückt

Joachim Kuhs, Sprecher der Gruppe "Christen in der AfD", erklärt gegenüber der Tagespost, dass aus seiner Sicht die Aussage Chrupallas so nicht stehen gelassen werden könne und er das Gespräch mit ihm suchen werde. Auch Volker Münz, religionspolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, widersprach Chrupalla: "Tino Chrupalla hat sich in dem Live-Interview unglücklich ausgedrückt. Es ist keine Änderung unserer Programmatik erfolgt oder geplant." Nach wie vor gelte die Festlegung im Grundsatzprogramm. "Wir stehen ein für das Lebensrecht. Wir sind gegen eine Bagatellisierung oder Liberalisierung. Es gibt kein Recht auf Abtreibung", hebt Münz hervor.

Auch Michael Frisch, katholischer Religionslehrer, aktiv im Lebensschutz und familienpolitischer Sprecher der Landtagsfraktion in Rheinland-Pfalz, vermutet, dass Chrupalla mit der Abtreibungs-Problematik und dem Programm dazu bisher wenig vertraut sei. Angesichts der vielen in dem ARD-Interview angesprochenen detaillierten Fragen sei dies auch nachvollziehbar. Grundsätzlich gelte für den Bundessprecher natürlich das, was im Grundsatzprogramm festgeschrieben sei. Und hier sei die AfD eindeutig, so Frisch. "Dass dies auch in Zukunft so bleiben wird, davon bin ich fest überzeugt und dafür werde ich mich persönlich mit allen Kräften einsetzen", so Frisch gegenüber dieser Zeitung. Die Tagespost bat auch Tino Chrupalla um eine Stellungnahme. Bisher hat dieser aber noch nicht geantwortet.

DT/sesa

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