Abrahams Kinder pauken gemeinsam

Bistum plant bundesweit einmalige interreligiöse Schule für Christen, Juden und Muslime

Sie berufen sich auf den gemeinsamen Stammvater Abraham und wollen nun zusammen ein bundesweit einmaliges Projekt verwirklichen: In Kooperation mit der Jüdischen Gemeinde und islamischen Organisationen will das Bistum Osnabrück künftig eine Grundschule für alle Religionen betreiben.

Als „historischen Tag“ bezeichnete Generalvikar Theo Paul am Freitag im Forum am Dom die Bekanntgabe der Pläne. Derzeit ist die Osnabrücker Johannis-Grundschule noch eine öffentliche Schule für „Schüler katholischen Bekenntnisses“ in Trägerschaft der Stadt. Doch scheint die Erfüllung der Quote von bis zu 80 Prozent katholischer Schüler immer schwieriger. Angesichts dieser Problemlage entstand im Bistum die Idee, die Grundschule durch die Schulstiftung der Diözese und in Zusammenarbeit mit Juden und Muslimen zu übernehmen. Das Vorhaben, dem monatelange Gespräche zwischen christlichen, jüdischen und muslimischen Vertretern vorausgingen, sei ein weiterer Schritt eines kirchlichen Lernprozesses, sagte der Generalvikar. „Wir bewegen uns damit wieder ein Stück weg von einer west- und eurozentrierten Sichtweise und hin zur Weltkirche“, meinte Paul im Pressegespräch. Der Blick ins heilige Land oder nach Asien zeige, dass die Religionen in den Schulen selbstverständlich miteinander auskämen.

Für den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Osnabrück, Michael Grünberg, ist das geplante Schulprojekt „die Fortsetzung des Dialoges zwischen den Religionen in der Stadt. Es wäre schön, wenn die Kinder das Erlernte in die Familien tragen.“ Auf einen Signalcharakter des gemeinsamen Schulprojektes für ganz Deutschland hofft Avni Altiner, der Vorsitzende der Schura Niedersachsen, dem Landesverband der Muslime. Bislang ist vorgesehen, den Schulbetrieb am 1. August 2011 zu starten. Zuvor müssen noch Gespräche mit der Stadt Osnabrück geführt werden, derzeit Träger der zentral gelegenen Grundschule.

Religionsunterricht in der jeweiligen Konfession

Erst wenn sie der Umwandlung der 1 000 Jahre alten Bekenntnisschule in eine Schule in freier Trägerschaft zustimmt, wird die Schulstiftung der Diözese weitere Gespräche mit dem Land Niedersachsen führen.

„Wir können heute noch nichts über die Höhe der Kosten und die unterschiedlichen finanziellen Beteiligungen sagen“, erklärte Winfried Verburg. Der Abteilungsleiter für Schulen und Hochschulen im Bischöflichen Generalvikariat nannte eine zweizügige Schule mit rund 200 Kindern als realistisch für das geplante Projekt. Als gebundene Ganztagsschule mit verpflichtendem Nachmittagsunterricht soll die Gemeinschaftseinrichtung für alle Schüler im Stadtgebiet offen sein. Der Religionsunterricht wird in der jeweiligen Konfession erteilt. Bislang stehen für die Unterweisung im islamischen und jüdischen Glauben je eine Lehrkraft zur Verfügung. „Alle Lehrer, die Religion unterrichten, müssen in dem jeweiligen Bekenntnis verwurzelt sein“, erklärte Verburg. Trotz des Verzichts auf einen interreligiösen Unterricht sollen Juden, Muslime und Christen die jeweiligen Feste im Jahreskreis gemeinsam erleben. Darüber hinaus haben die Verantwortlichen die Vision, dass durch gemeinsame Projekttage eine Lerngemeinschaft von Schülern, Lehrern und Eltern der drei monotheistischen Religionen entstehen kann.

Besonders behutsam will man mit Fragen zur Praxis des gemeinsamen Essens in der Schule oder nach religiösen Symbolen umgehen: Zusammen mit den Eltern sollen diese Themen abgestimmt werden. Die künftige Konzeption und Ausgestaltung des religiösen Profils der Schule wird von einem Beirat begleitet. Mit dabei ist auch ein Vertreter der Stadt Osnabrück, denn die Erfahrungen des Pilotprojekts „Schule der abrahamitischen Religionen“, da sind sich die Verantwortlichen sicher, können zu einer gelingenden Integration in der Friedensstadt beitragen.