AL: Vatikan erkennt Interpretation an

Teil des Lehramtes: Papst lässt Schreiben argentinischer Bischöfe zu „Amoris laetitia“ in Amtsblatt aufnehmen

Vatikanstadt (DT/KAP) Papst Franziskus versteht den von argentinischen Bischöfen in Folge seines Lehrschreiben „Amoris laetitia“ gezeichneten Weg zur möglichen Zulassung Wiederverheirateter zur Kommunion in Einzelfällen sowie seine eigene zustimmende Antwort darauf als Teil seines Lehramtes. Ein entsprechender Brief des Papstes vom September 2016 und die argentinische Orientierungshilfe wurden dieser Tage in der Online-Version des Vatikan-Amtsblattes („Acta Apostolicae Sedis“/AAS) veröffentlicht, und zwar verbunden mit dem Zusatz von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, dass die Texte „authentisches Lehramt“ seien.

„Amoris laetitia“ wurde vom Papst im April 2016 nach zwei Bischofssynoden zu den Themen Ehe und Familie veröffentlicht. Am 5. September 2016 publizierten die Bischöfe der Seelsorgeregion Buenos Aires eine Orientierungshilfe für ihre Priester. Der Titel „Grundlegende Kriterien für die Anwendung des achten Kapitels aus ,Amoris laetitia‘“. Das achte Kapitel behandelt vor allem die Seelsorge für Paare in schwierigen Lebenslagen. Inhaltlich besagt die Orientierungshilfe der argentinischen Bischöfe Folgendes: Kein „unbeschränkter Zugang zu den Sakramenten“ für Katholiken in jedweden Lebensumständen; Rücksicht auf Empfindlichkeiten in Pfarrgemeinden; Festhalten an der Lehre der Unauflöslichkeit der Ehe; Ermutigung von wiederverheirateten Geschiedenen zu sexueller Enthaltsamkeit oder einer Teilnahme am kirchlichen Leben ohne Sakramente – und, in Einzelfällen sowie nach einem „Weg der Unterscheidung“ zusammen mit einem Geistlichen, die Möglichkeit, die Hilfe der Sakramente der Versöhnung und der Eucharistie zu suchen.

Ebenfalls am 5. September 2016 schrieb Franziskus dem zuständigen Bischof Sergio Alfredo Fenoy und lobte das Werk. Er finde in der Handreichung den Sinn seines umstrittenen Kapitels von „Amoris laetitia“ vollauf erfasst, wo es um das „Begleiten, Unterscheiden und Integrieren“ in schwierigen Lebenssituationen gehe. „Es gibt keine anderen Interpretationen“, schrieb Franziskus kurz und bündig. Beide Dokumente, die Orientierungshilfe wie auch das Antwortschreiben des Papstes, finden sich seit wenigen Tagen in der Online-Ausgabe der AAS vom Oktober 2016. Die gedruckte Ausgabe liegt noch nicht vor.

Durch Veröffentlichung in den AAS werden allgemeine kirchliche Gesetze promulgiert, treten also in Kraft. In den vatikanischen Akten stehen aber auch Reden, Briefe oder Berichte über Ereignisse. Je nach Gattung haben die Texte unterschiedliche Bedeutung. In diesem Fall bemerkenswert ist ein „Reskript aus einer Audienz bei Seiner Heiligkeit“, unterzeichnet von Kardinalstaatssekretär Parolin. Ein Reskript ist eine Art Verwaltungsakt zur Regelung von Rechtsfragen in Einzelfällen. In der Materie, die bei der Audienz behandelt wurde, habe „der Papst entschieden, dass die vorgestellten beiden Dokumente durch Veröffentlichung auf der vatikanischen Website und in den ,Acta Apostolicae Sedis‘ als authentisches Lehramt promulgiert werden“. Dass das Datum des Reskripts von Kardinal Parolin in den AAS-Akten vom Oktober 2016 mit dem 5. Juni 2017 angegeben ist, ist nicht ungewöhnlich. Die Erstellung des Amtsblattes zieht sich über Monate hin; Texte müssen mehrfach kontrolliert, zum Teil übersetzt werden. Und so kommt es vor, dass die gedruckten Akten des Jahres 2016 erst Anfang 2018 erscheinen. In der Zwischenzeit können in der Online-Ausgabe Ergänzungen vorgenommen werden.

Derweil erkennt Ex-Glaubenspräfekt Kardinal Gerhard Ludwig Müller im Papstschreiben „Amoris laetitia“ theologische Schwächen. „Wenn man auf die Glaubenskongregation gehört hätte, hätte man das Ziel besser erreicht und wäre besser gegen Einwände gewappnet gewesen“, sagte Müller dem ARD-Magazin „report München“ (Dienstag). Konkret geht es in Müllers Aussagen um die Passage des Schreibens, nach der wiederverheiratete Geschiedene in Einzelfällen unter bestimmten Umständen zu Beichte und Eucharistie zugelassen werden können. Diese Stelle bringe ein berechtigtes Anliegen zum Ausdruck, räumte Müller ein. Sie sei aber theologisch nicht genügend durchgearbeitet. „So etwas in einer Fußnote zu verpacken, ist angesichts des Gewichts dieser Thematik nicht genügend.“