Ägypten: Große Sorgen nach Anschlag

Auswärtiges Amt gibt Reisewarnung für Sinai heraus – Seoul entsendet Ermittler – Christliche Reisegruppe betroffen

Seoul/Berlin/Kairo (DT/KNA) Nach dem tödlichen Anschlag auf einen Touristenbus im ägyptischen Taba hat das Auswärtige Amt am Montag eine Teilreisewarnung herausgegeben. Vor Reisen in den Norden der Sinaihalbinsel und das ägyptisch-israelische Grenzgebiet wird generell gewarnt. Ausdrücklich riet die Behörde von Fahrten außerhalb der Badeorte im Sinai ab, auch von Ausflügen zum Katharinenkloster. Bei Reisen nach Ägypten einschließlich der Touristengebiete am Roten Meer mahnte das Auswärtige Amt generell zu Vorsicht. Unterdessen entsandte die südkoreanische Regierung nach einer Krisensitzung im Außenministerium am Montag in Seoul Vertreter nach Ägypten.

Zuvor hatten sich nach Angaben der Zeitung „Korea Times“ (Montag) Mitarbeiter der südkoreanischen Botschaften in Ägypten und Israel an den Anschlagsort begeben, um sich ein eigenes Bild zu machen. Bei dem Attentat am Sonntagnachmittag waren eine Besucherin und zwei Tourenleiter aus Südkorea getötet worden. Auch der ägyptische Busfahrer starb durch die Bombe. Nach koreanischen Angaben mussten 13 weitere Urlauber mit Verletzungen in eine Klinik. Die Reisegruppe von 31 presbyterianischen Christen aus Jincheon befand sich in Begleitung von zwei Guides auf einer zwölftägigen Reise durch die Türkei, Ägypten und Israel. Seoul zeige wachsende Besorgnis über den Vorfall, hieß es. Südkoreanische Staatsangehörige wurden aufgerufen, den Sinai zu verlassen.

Außenminister Yun Byung-se bat seinen ägyptischen Amtskollegen Nabi Fahmi laut der Zeitung um eine lückenlose Aufklärung des Anschlags. Laut koreanischen Medien ist unklar, ob die Gruppe gezielt angegriffen wurde oder ob der Anschlag allgemein Touristen galt. Ermittler gehen inzwischen davon aus, dass sich ein Attentäter im Eingang des Busses in die Luft sprengte. Der Bus befand sich vom Katharinenkloster kommend auf dem Weg Richtung Israel. Der Angriff ereignete auf einem Parkplatz kurz vor dem Grenzübergang. Das Attentat dürfte ein Rückschlag für die ägyptische Tourismuswirtschaft sein, die seit der Revolution 2011 um eine Erholung kämpft. Die Unruhen nach dem Sturz von Präsident Mohamed Mursi im Juli 2013 sorgten für einen weiteren Einbruch in der Branche. Während in den ersten elf Monaten 2012 rund 10,5 Millionen ausländische Besucher nach Ägypten reisten, waren es laut der ägyptischen Zeitung „Ahram Online“ im gleichen Zeitraum 2013 lediglich 8,7 Millionen. Für das laufende Jahr hatte Tourismusminister Hisham Zaazou ein Ziel von 13,5 Millionen Besuchern gesetzt. Von ihnen erwartete er Einnahmen von umgerechnet 8 Milliarden Euro. Der letzte schwere Anschlag gegen Touristen ereignete sich 2006 im Südsinai. (siehe Kommentar „Mit kalter Berechnung“ auf dieser Seite)