Verona

Wie Verona zum Schlachtfeld wurde

Ein internationaler Familienkongress gerät in die Mühlen der italienischen Politik. Von Guido Horst

Salvini beim Weltfamilienkongress in Verona
Das in Verona seien „Fanatiker“, die die Gesellschaft wieder zurück ins Mittelalter führen wollten, äußerte sich Luigi di Maio über die Teilnehmer des Weltfamilienkongress, bei dem auch Italiens Innenminister Matteo Salvini (Bild) auftrat. Foto: Antonio Calanni (AP)

Schon Wochen zuvor hatte der Weltfamilienkongress in Verona die italienischen Gemüter erregt: Die Veranstalter hatten sich frühzeitig der Teilnahme und Unterstützung prominenter Politiker versichert, so des „Lega“-Chefs und Innenministers Matteo Salvini, des Familienministers Lorenzo Fontana, ebenfalls „Lega“, sowie des Präsidenten der Region Veneto, Luca Zaia, auch er von der „Lega“, und des Bürgermeisters der Stadt, Federico Sboardino, der zur Abwechslung mal der „Forza Italia“ Berlusconis angehört und in dessen Amtszeit der rechte Stadtrat Verona zu „Stadt des Lebens“ erklärt hat. Und angesagt hatte sich auch Giorgia Meloni, Chefin der „Fratelli d’Italia“, einer Partei, in der sich das versammelt, was von den italienischen Faschisten übriggeblieben ist. Die einzige prominente Teilnehmerin aus Deutschland war Fürstin Gloria.

„Das rechte Lager der Verlierer“

Zum Vorfeld gehörte auch, dass Di Maio, seines Zeichens Arbeitsminister und Vorsitzender der in Italien regierenden „Fünf Sterne Bewegung“, am heftigsten gegen den Kongress in Verona wetterte, bevor dieser überhaupt angefangen hatte. Was sich dort versammle, so Di Maio, sei „das rechte Lager der Verlierer“. Und während des Kongresses legte er über das Fernsehen nochmals nach: Das in Verona seien „Fanatiker“, die die Gesellschaft wieder zurück ins Mittelalter führen wollten. Polemik bestimmte das Treffen von Anfang an.

Ein Opfer der italienischen Innenpolitik

Wer die italienischen Medien kennt, kann sich vorstellen, dass 90 Prozent der Zeitungen sowie die überwiegende Mehrzahl der Talkshows oder morgendlichen oder abendlichen Diskussionsrunden den Kongress in die Ecke stellten, als wolle dieser das Rad der Geschichte zurückdrehen und „gesellschaftliche Errungenschaften“ wie die Gleichstellung der Frau, die Ehescheidung, die Legalisierung der Abtreibung und die Zivilunionen der gleichgeschlechtlichen Paare wieder rückgängig machen.

Salvini und Di Maio zündelten täglich weiter und die Veranstalter des Weltfamilienkongresses, der seit 2012 jährlich veranstaltet wird, zuletzt in Ungarn und Moldawien stattfand und nun zum ersten Mal in Italien tagte, hatten nicht die geringste Chance, die drei Tage in Verona aus den Mühlen der italienischen Innenpolitik herauszuhalten.

Warum aus dem Weltfamilienkongress in Verona ein Lehrstück wurde, wie man es nicht machen sollte, lesen Sie in einer ausführlichen Reportage in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 04. April 2019. Kostenlos erhalten Sie diese Ausgabe hier.

DT