Wie Johannes Paul II. den Kommunismus herausforderte

Der Papst aus Polen kann Europa heute bei der Überwindung des Misstrauens inspirieren.

Johannes Paul II. und der Kommunismus
Mit seiner Enzyklika „Redemptor hominis“ widersprach Johannes Paul II. 1979 der Verzweckung des Menschen und verankerte die Würde der Person in ihrer Gottebenbildlichkeit. Foto: Waldemar Deska (PAP / EPA FILES)

Vor 30 Jahren bekam der Eiserne Vorhang erste Risse. Doch diese Sternstunde der Geschichte ist bis heute von Missverständnissen und Fehldeutungen überlagert. Manche meinen, ein Wirtschaftssystem habe ein anderes besiegt, oder das Wettrüsten habe die Sowjetunion in den Kollaps getrieben. Tatsächlich war das sozialistische Wirtschaftssystem nur der fatale Ausdruck eines falschen Menschenbilds. Diesem widersprach mit weltweiter Öffentlichkeit nicht der Kapitalismus, sondern der Papst aus Polen.

Freiheit des Einzelnen als Konsequenz der Menschenwürde

Im Gegensatz zum Kommunismus, der die utopische Befreiung der Menschheit durch einen kollektiven Prozess und radikale Gottesleugnung propagiert, verkündete Johannes Paul II. die Freiheit jedes Einzelnen als Konsequenz der von Gott gestifteten Würde des Menschen. Mit seiner Enzyklika „Redemptor hominis“ widersprach er 1979 der Verzweckung des Menschen und verankerte die Würde der Person in ihrer Gottebenbildlichkeit. Damit war der Kommunismus nicht nur in der Praxis, sondern auch in der Theorie als menschenverachtende Ideologie entlarvt.

Anders als die meisten westlichen Politiker und Medien wusste Johannes Paul II., dass die kommunistische Herrschaft implodieren musste, sobald die Menschen ihre Angst verloren. So kam es zum Wanken der Regime, zu Rissen im Eisernen Vorhang, zum Kollaps des sowjetischen Völkerkerkers.

West und Ost gingen geschichtsvergessen zur Tagesordnung über

Heute ist Europa neuerlich von Misstrauen bedroht. Der Sieg der Freiheit hat den Graben unterschiedlicher Erfahrung nicht zugeschüttet, weil West und Ost geschichtsvergessen zur Tagesordnung übergingen: Im Westen machten sich wenige die Mühe, die Geschichte der vom Kommunismus befreiten Völker zu studieren, ihre Ängste wie ihre Sehnsüchte ernst zu nehmen. Im Osten unterblieb eine Vergangenheitsbewältigung. Johannes Pauls II. fehlt uns heute, doch manches Rezept wäre bei ihm nachzulesen.

DT/sba

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