Vietnam: Heilige Messe für „illegal“ erklärt

Unangemeldet die Heilige Messe zu feiern, wird in Nghe An, der größten Provinz der nördlichen Küstenregion von Vietnam, laut einem neuen Gesetz zu einem rechtswidrigen Akt.

Vietnam
Was seit Anfang des Jahres in Vietnam geschieht, ist ein offener Verstoß gegen das Menschenrecht der Religionsausübungsfreiheit. Foto: dpa

Der Papst hat in diesem Monat besonders für die Christen in Asien gebetet, dass sie „und andere religiöse Minderheiten“ ihren Glauben „in voller Freiheit leben können“. Auch in Vietnam, wo Christenverfolgung eine lange Tradition hat. Insgesamt gehen Schätzung von 130 000 bis 300 000 katholischen Opfern der Christenverfolgung aus. Von den zahlreichen vietnamesischen Märtyrern der Geschichte sind nur einige namentlich bekannt, Peter Truong Van Thi zum Beispiel oder Andreas Dung-Lac. 1998 hat Papst Johannes Paul 117 katholische Christen aus Vietnam, die für ihren Glauben starben, heiliggesprochen.

Das Land liegt auf Rang 18 des aktuellen „Open Doors-Weltverfolgungsindex 2018“, den die Hilfsorganisation am 10. Januar veröffentlichte, mit dem Hinweis auf „ein Wachsen des Drucks auf Christen“ wegen der „neuen Religionsgesetzgebung, die am 1. Januar 2018 in Kraft tritt“. Entscheidend ist dabei der in der neuen Norm erwähnte Tatbestand des „Freiheitsmissbrauchs“, der bereits vorliegt, wenn in Religionsgemeinschaften eine vom Verständnis der vietnamesischen Behörden abweichende Spiritualität gelehrt wird. So wie in der Heilige Messe.

Zudem müssen nach der neuen Rechtslage die Religionsgemeinschaften im Voraus eine Liste ihrer jährlichen Aktivitäten vorlegen. Dass dies nur schwer möglich ist, sollte nachvollziehbar sein. Die lokalen Behörden wandten sich nun an eine katholische Gemeinde in der nordvietnamesischen Provinz Nghe An, weil diese sie nicht zuvor über eine Heilige Messe informiert hatte. Sie beziehen sich auf Artikel 43 des neuen Glaubens- und Religionsgesetzes, nach dem Gemeinden zur „Registrierung ihrer jährlichen religiösen Aktivitäten“ verpflichtet sind.

Die nicht-registrierte Heilige Messe, die am 23. Januar in der Pfarrei Song Ngoc in der Diözese Vinh gefeiert wurde, hat das Volkskomitee von Quynh Ngoc, der zuständigen Kommune, daraufhin kurzerhand für „illegal“ erklärt. In einer offiziellen Note tadeln die Behörden den Pfarrer und das Pastoralkomitee der Pfarrei und fordern P. Nguyen Dình Thuc und seine Gemeindemitglieder auf, „alle ihre religiösen Aktivitäten registrieren“ zu lassen, in Übereinstimmung mit einer lokalen Verordnung auf Basis des neuen Glaubens- und Religionsgesetzes.

Wie AsiaNews berichtet, war die Gemeinde in der Vergangenheit schon mehrmals Opfer von Druck seitens der Behörden und sogar gewaltsamen Einmischungen seitens regierungsnaher militanter Gruppen. Gegen Pater Thuc gab es immer wieder Hetzkampagnen.

Was hier geschieht, ist ein offener Verstoß gegen die Religionsausübungsfreiheit. Die Sozialistische Republik Vietnam hat den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte sowie den Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte ratifiziert und ist daher an ihre Verantwortung für die Wahrung der Menschenrechte (hier: der Religionsfreiheit) zu erinnern.

DT/Josef Bordat – auf der Basis von: Asia News/Joseph Huy („Mass declared illegal in Nghe An under a new law that hinders religious activities“)