Köln

Verhaftung von Seawatch-Kapitänin: Bischöfe und Vatikan empört

Die Nachfolge Christi bestehe nicht darin, bei politischen Reden einen Rosenkranz in die Luft zu halten, sondern so zu leben, wie Jesus gelebt hat, erklärt der Kölner Weihbischof Ansgar Puff in Hinblick auf den italienischen Innenminister Salvini.

"Sea-Watch 3" - Kapitänin Carola Rackete
Carola Rackete aus Kiel, deutsche Kapitänin des Rettungsschiffes "Sea-Watch 3". Ihr drohen zwischen drei und zehn Jahren Haft. Foto: Till M. Egen (Sea-Watch.org)

Zwischen drei und zehn Jahre Haft erwarten die Kapitänin der „Seawatch 3“, Carola Rackete, weil sie ihr Schiff mit 40 geretteten Migranten trotz eines Verbotes in den Hafen der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa gesteuert hatte. Der Kölner Weihbischof Ansgar Puff kritisiert den italienischen Innenminiser Matteo Salvini mit deutlichen Worten für seinen Umgang mit der Kapitänin.

Puff: Auch Jesus hat am Sabbat einen Kranken geheilt

„Was mich ankotzt“, so Puff wörtlich in einem Beitrag für das Kölner „Domradio“, „dieser Innenminister holt bei einem Treffen europäischer Rechtspopulisten einen Rosenkranz aus der Tasche“ und sage, dass er sein Leben und das der Versammelten dem unbefleckten Herzen Mariens anvertraue. Dieses werde ihnen zum Sieg verhelfen.

Puff verweist auf die Stelle im Evangelium, wo Jesus am Sabbat einen kranken Menschen heilt. „Ist helfen erlaubt? Ist es erlaubt, Gutes zu tun und Leben zu retten, auch wenn man damit das Gesetz der Sabbatruhe verletzt?“, fragt Jesus die damaligen Entscheider. Damals, so Weihbischof Puff, hätten die Entscheider beschlossen, Jesus umzubringen.

"Die Lebensrettung ist der Polarstern,
der ganze Rest ist zweitrangig"
Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin

Analog dazu beschließe heute ein Innenminister, „eine mutige Frau, die Menschen gerettet hat“, ins Gefängnis zu stecken. „Die Nachfolge Christi besteht nicht darin, bei politischen Reden einen Rosenkranz in die Luft zu halten, sondern so zu leben, wie Jesus gelebt hat“, betont der Weihbischof. Genau das habe Carola Rackete getan. Darum bete er für sie um Mut und Zuversicht. „Und um einen Sturm der Entrüstung der Öffentlichkeit, der sie schnell aus dem Gefängnis herausholen wird.“

Auch weitere deutsche Bischöfe sowie der Vatikan kritisierten Italiens Innenminister Salvini für seinen Umgang mit Rackete. Die Rettung müsse Vorrang haben, hieß es aus dem Vatikan. „Die Lebensrettung ist der Polarstern, der ganze Rest ist zweitrangig“, zitierte die italienische Tageszeitung „Messaggero“ Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin. Zwischen Salvini und dem Vatikan war es in der Vergangenheit immer wieder zu Meinungsverschiedenheiten gekommen, insbesondere was die Flüchtlings- und Migrationspolitik angeht.

Moralisches Handeln nicht staatlicherseits bedrohen

Der deutsche Flüchtlingsbischof Stefan Heße warf der italienischen Regierung „unannehmbares“ Verhalten vor. „Moralisches Handeln darf nicht staatlicherseits bedroht und unmöglich gemacht werden“, so Heße. Zuvor hatte bereits der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck auf dem Kurzmitteilungsdienst „Twitter“ geschrieben: „Wer Menschen vor dem Ertrinken rettet, gehört nicht ins Gefängnis.“ Er bewundere den Mut der Kapitänin.

DT/mlu

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