Wien

"Sexualpädagogik der Vielfalt" im Zwielicht

Christian Spaemann verteidigt den Verein "Teenstar": Attacken waren "Ablenkungsmanöver".

Sexualpädagogik des Vereins "Teenstar"
Teenstar: Sexualpädagogik auf der Grundlage des christlichen Menschenbilds. Foto: dpa

Der Verein Teenstar, der Sexualpädagogik auf der Grundlage des christlichen Menschenbilds vermittelt, steht in Österreich seit Monaten im Trommelfeuer medialer Berichterstattung und politischer Kritik. Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) empfahl den Schulen, nicht mehr mit dem Verein zusammenzuarbeiten.

Angriffe auf Teenstar seien ein "groß angelegtes Ablenkungsmanöver"

Der Psychiater und Psychotherapeut Christian Spaemann meint, die Angriffe auf Teenstar seien ein "groß angelegtes Ablenkungsmanöver". Die meisten der 100 an österreichischen Schulen tätigen sexualpädagogischen Vereine zählten zu jener Allianz, die sich der "Sexualpädagogik der Vielfalt" verpflichtet wisse. "In dieser Pädagogik werden Wissensvermittlung und sexuelle Selbsterfahrung gezielt miteinander vermischt und damit die intimen Grenzen der Kinder und Jugendlichen massiv überschritten." Zehnjährige würden angehalten, über ihre sexuellen Vorlieben zu diskutieren und vor den Klassenkameradinnen und dem Kursleiter über Erfahrungen mit Masturbation zu sprechen. In Kindergärten würden Räume für Doktorspiele eingerichtet. Federführend sei der Wiener Verein "Selbstlaut", der "mit seinen Schulungen bereits in den Raum der katholischen Kirche eingedrungen ist", so Spaemann.

"Indoktrinations- und Überwältigungsverbot an Schulen"

Als Psychiater könne er von "vielen tragischen Fällen sexueller Übergriffe zwischen Kindern berichten, die zu einer massiven Beeinträchtigung der weiteren sexuellen Entwicklung geführt haben". Die Förderung von Doktorspielen in Kindergärten öffne dafür Tür und Tor. Spaemann sieht im Agieren vieler Sexualpädagogen einen Verstoß gegen das gesetzliche "Indoktrinations- und Überwältigungsverbot an Schulen" sowie gegen die verbürgten Rechte von Eltern auf die weltanschauliche Erziehung ihrer Kinder. "Es wird Zeit, dass die Öffentlichkeit und die vernünftigen Bürger aller politischen Couleur zum Schutz der Kinder und Jugendlichen ihr Augenmerk auf die Tätigkeit dieser Vereine richten."

"Geradezu grotesk" und "völlig verzerrt"

Teenstar nimmt Spaemann von seiner Kritik ausdrücklich aus: Hier werde "eine moderne, auf biologischem, entwicklungspsychologischem und bindungstheoretischem Wissen basierende, geschlechtssensible Sexualpädagogik" geboten. Doch nur die Unterlagen von Teenstar sind bislang öffentlich sowie durch das Bildungsministerium problematisiert worden. "Geradezu grotesk" und "völlig verzerrt" findet das Christian Spaemann.

Welche Schlussfolgerungen der Psychiater und Psychotherapeut Christian Spaemann aus seinen Analysen zieht und wie es nun mit Teenstar weitergeht, erfahren Sie in der Reportage von Stephan Baier in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 11. April 2019. Kostenlos erhalten Sie diese Ausgabe hier.

DT/sb (jobo)