Religionsvertreter warnen vor möglichem Beschneidungsverbot in Island

Bis zu sechs Jahre Gefängnis würden muslimischen und jüdischen Eltern für die Beschneidung ihrer Kinder drohen, sollte der entsprechende Gesetzentwurf in Kraft treten. Der Vorsitzende der Diözese Reykjavik vergleicht den Entwurf gar mit den Zeiten des Nationalsozialismus.

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Island diskutiert einen Gesetzentwurf, der die Beschneidung von Männern unter 18 Jahren verbieten will. Foto: fotolia.de

Die katholische Kirche in Island hat sich gegen einen Gesetzesentwurf ausgesprochen, der die Beschneidung von Männern unter 18 Jahren verbieten will, wenn der Eingriff nicht medizinisch notwendig ist. Jüdische und muslimische Eltern drohen dem Entwurf zufolge bis zu sechs Jahre Haft, wenn sie ihre Kleinkinder aus religiösen Beweggründen beschneiden lassen. Darüber berichtet der britische „Catholic Herald“ in seiner Online-Ausgabe. „Falls das Gesetz verabschiedet werden sollte, würde das einer regelrechten Verfolgung von Menschen jüdischen Glaubens gleichkommen“, warnte Jakob Rolland, der Vorsitzender der Diözese von Reykjavik, im Gespräch mit dem „Catholic News Service“. Das Gesetz erinnere an das Jahr 1933, „als Hitler in Deutschland die Macht übernahm“,so Rolland weiter. „Und wir wissen, wie das endete.“ Sieben isländische Abgeordnete hatten den umstrittenen Gesetzentwurf im Februar ins Parlament eingebracht.

Einer der Befürworter, der Abgeordnete Olafur Thor Gunnarsson, sieht in der Beschneidung aus religiösen Motiven die Menschenrechte verletzt. „Niemand sollte ohne Einwilligung unnötigen Operationen unterzogen werden“, sagte er am Dienstag bei einer Konferenz in der isländischen Hauptstadt Reykjavik. Vertreter von christlichen, muslimischen und jüdischen Gemeinden in vielen europäischen Ländern waren zu der Konferenz angereist, um den isländischen Gesetzgebern ihre Bedenken mitzuteilen. Rabbi Moche Lewin, der Vizepräsident der Europäischen Rabbinerkonferenz, erklärte, der Gesetzenwurf bedeute einen „Bruch mit der Geschichte des jüdischen Volkes“. Der Akt der Beschneidung sei untrennbar mit der Identität eines jüdischen Jungen verbunden, so Rabbi Lewin. Sollte der Entwurf das Parlament passieren, käme das einem Signal gleich, dass Juden in Europa keine Zukunft hätten.

Trotz der Empörung von Seiten der Glaubensvertreter argumentieren Politiker in Island, dass die Beschneidung eine irreversible Operation sei und die Religionen sich verändern müssten, um mit den Idealen einer modernen isländischen Gesellschaft konform zu sein.

DT/mlu

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