Publizistin Bednarz: Kardinal Marx ist zu weit gegangen

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz habe den Fehler begangen, die Definition des christlichen Abendlandes zu leicht den Rechten zu überlassen, meint die Publizistin Liane Bednarz. Christen müssten um die Deutungshoheit des Begriffes ringen.

Liane Bednarz kritsiert Kardinal Marx
So zu tun, als sei der Begriff "christliches Abendland" per se ausgrenzend, geht nach Ansicht von Liane Bednarz zu weit. Foto: Lino Mirgeler (dpa)

Nach Ansicht der Publizistin Liane Bednarz ist der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, mit seiner Verurteilung des Begriffs „christliches Abendland“ als „vor allem ausgrenzend“ zu weit gegangen. Grundsätzlich finde sie es zwar sehr gut, dass sich der Münchner Erzbischof immer wieder gegen den Rechtspopulismus ausspreche. „Aber jetzt so zu tun, als sei dieser Begriff per se ausgrenzend, das geht meiner Ansicht nach zu weit“, so die 45-Jährige im Gespräch mit dem Kölner Domradio.

Begriff "christliches Abendland" sucht auch Dialog mit anderen Religionen

Bednarz, die sich selbst als „christlich-konservativ“ bezeichnet, stimmt gleichzeitig dem Regensburger Bischof Voderholzer zu. Dieser hatte davor gewarnt, dass man den Begriff nicht den Rechten überlassen dürfe, von denen er nationalistisch aufgeladen werde. Laut Bednarz müsse den Begriff als Christ so definieren, wie Christen die tradierte Auffassung des Begriffes verstünden: „Nämlich das kulturell nun einmal tatsächlich christlich geprägte Abendland, das aber natürlich auch politisch für Pluralismus steht und aber auch im Verhältnis zu anderen Religionen.“ In diesem Sinne suche der Begriff auch den Dialog mit anderen Religionen, so Bednarz.

Kardinal Marx habe den Fehler begangen, die Definition des christlichen Abendlandes zu leicht den Rechten zu überlassen - „ähnlich wie auch bei anderen Begriffen wie ,Heimat' oder ,Tradition' und ,Patriotismus'“. Diesen Fehler gelte es zu vermeiden, „man sollte um diesen Begriff auch ringen“, meint Bednarz.

Debatten um Reizthemen mit Sachlichkeit führen

Im Gespräch mit dem Domradio äußete Bednarz auch die Ansicht, dass sehr konservative Christen oftmals anfällig für rechtes Gedankengut seien. Diese auszugrenzen führe jedoch nicht weiter. „Es besteht die Aufgabe, aktiv die Auseinandersetzung zu suchen und gerade auch über diese ganzen Reizthemen mit Menschen zu reden, die sich der AfD zugewendet haben.“ In der Debatte sei Sachlichkeit gefragt. „Das muss man machen, anstatt einfach zuzuschauen.“

DT/mlu

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