Offener Brief: Kritik an Katechismus-Änderung zur Todesstrafe

In einem offenen Brief an das Kardinalskollegium fordern Akademiker, dass Papst Franziskus die „skandalöse“ Änderung im Katechismus zur Todesstrafe wieder rückgängig machen solle.

Kritik an Vatikan-Haltung zur Todesstrafe
Die Neuformulierung des Katechismus impliziere, dass die bisher gültige lehre der Kirche inkorrekt sei, so die Verfasser des offenen Briefes. Foto: Hendrik Schmidt (dpa-Zentralbild)

Seit zwei Wochen wird die Todesstrafe vom Vatikan offiziell geächtet. Papst Franziskus hatte eine dementsprechende Änderung im Katechismus vornehmen lassen, der Hinrichtungen als Bestrafung nun ausnahmslos als „unzulässig“ bezeichnet. Jetzt haben 45 Philosophen, Theologen und Schriftsteller einen offenen Brief an das Kardinalskollegium verfasst, in dem sie die Kardinäle darum bitten Papst Franziskus zu empfehlen, dass er die Änderung im Katechismus wieder rückgängig machen solle.

"Neuformulierung impliziert, bislan gültige Lehre sei inkorrekt"

Bisher war es die gängige Lehre der katholischen Kirche, dass Regierungen prinzipiell von der Todesstrafe Gebrauch machen können. Die Änderung im Katechismus hatte eine breite Debatte darüber ausgelöst, ob der Begriff „unzulässig“ der kirchlichen Lehre widerspreche.

In dem auf der Website von „First Things“ veröffentlichten Schreiben heißt es, die Neuformulierung impliziere, dass die bisher gültige Lehre der Kirche inkorrekt sei. Dies sei „äußerst skandalös“, da die Lehre schließlich auf der heiligen Schrift beruhe, so die Verfasser. Die von Papst Franziskus veranlasste Änderung werde viele Gläubige wie auch Nichtgläubige zum dem Schluss kommen lassen, dass die Kirche die Todesstrafe als „in sich böse“ ansehe. Dies stehe jedoch im Widerspruch zum Wort Gottes.

"Moralische und doktrinelle Verwirrung unter den Gläubigen"

Etwa die Hälfte der Unterzeichner sind Philosophieprofessoren. Einige von ihnen sprechen sich zwar selbst gegen den Gebrauch der Todesstrafe aus, halten diese jedoch nicht für „in sich böse“. Einer der Unterzeichner, Michael Sirilla, Professor für Dogmatik und Systematische Theologe an der Franziskanischen Universität im amerikanischen Steubenville, erklärte gegenüber dem britischen „Catholic Herald“: „Viele von uns, mich selbst inbegriffen, haben dieses Schreiben nicht prinzipiell deshalb unterzeichnet, weil wir für die Anwendung der Todesstrafe sind. Die Neuformulierung des Katechismus ist jedoch das jüngste Beispiel von zweideutig formulierten Lehrsätzen, die ein kritisches Maß an moralischer und doktrineller Verwirrung unter den Gläubigen verursachen.“

Es sei die Pflicht des Papstes, Fragen der Moral und des Glaubens zu klären. Er habe allerdings kein Recht, neue Lehrsätze einzuführen, oder dem zu widersprechen, was die Kirche stets als Glaubensgrundsatz gelehrt habe. 

DT/mlu

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