Klagenfurt

Österreich streitet über den Karfreitag

Die Regierung wagt eine diskriminierungsfreie Neuregelung und stürzt die Kirchen damit in interne Kämpfe.

Österreich: Debatte um Karfreitag
Der Todestag Jesu ist in Österreich künftig ein Arbeitstag für alle, doch hat jeder Arbeitnehmer ab heuer einen „persönlichen Feiertag“ zur Verfügung, den er auch am Karfreitag geltend machen kann. Foto: Arno Burgi (dpa)

Bei einem ökumenischen Schweigemarsch in Klagenfurt demonstrierten am Aschermittwoch hunderte Menschen für die Einführung eines „Karfreitags für alle“ und gegen die von der österreichischen Bundesregierung beschlossene Neuregelung. Zuvor jedoch hatte sich der Sprecher der Österreichische Bischofskonferenz, Paul Wuthe, von diesem Schweigemarsch, an dem auch Diözesanadministrator Guggenberger teilnahm, distanziert: „Demonstrationen wie die in Kärnten entsprechen nicht der Position der katholischen Bischofskonferenz.“ Diese akzeptiere die im Parlament beschlossene Regelung, wonach jeder in Österreich das Recht hat, den Karfreitag als persönlichen Feiertag zu begehen.

Der Todestag Jesu ist in Österreich künftig ein Arbeitstag für alle

Der Todestag Jesu ist in Österreich künftig ein Arbeitstag für alle, doch hat jeder Arbeitnehmer ab heuer einen „persönlichen Feiertag“ zur Verfügung, den er auch am Karfreitag geltend machen kann. Einseitig zwar, jedoch als Urlaubstag. Damit verlieren Protestanten, Methodisten und Altkatholiken, denen der Karfreitag bislang als freier Tag zustand, einen Feiertag. Ausgelöst hat die übereilte Karfreitags-Lösung ein Atheist, der sich vom Privileg der drei konfessionellen Minderheiten diskriminiert fühlte und dagegen vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) klagte. Die Regierung in Wien sah sich gezwungen, den Karfreitag diskriminierungsfrei neu zu regeln.

"Positive Lösung mit einem Wermutstropfen"

Der evangelische Bischof Michael Bünker sprach in einer ersten Stellungnahme von einer „positiven Lösung mit einem Wermutstropfen“. Aus den eigenen Reihen jedoch hagelte es massive Kritik an dieser Einschätzung. Also relativierte Bünker sein erstes, positives Urteil, ja er entschuldigte sich sogar dafür. In einem Brief an alle evangelischen Pfarrgemeinden klagte er: „Entgegen aller Versprechen der Bundesregierung wurde den Evangelischen der Karfreitag als Feiertag genommen.“ Die katholische Kirche in Kärnten klagt: „Wir bedauern, dass in der bisherigen Diskussion zum Karfreitag als Feiertag für alle fast ausschließlich wirtschaftliche Argumente ins Treffen geführt werden, während die religiöse Bedeutung dieses Tages zu wenig in den Blick genommen wird.“ So kam es zur ökumenischen Demonstration – von der sich die Bischofskonferenz allerdings distanzierte.

DT/sb

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