Berlin

Nicht jetzt, aber…

Deutscher Ethikrat legt Stellungnahme zu Keimbahnmanipulationen vor. Von Stefan Rehder

Deutscher Ethikrat zu Eingriffen in die menschliche Keimbahn
Deutscher Ethikrat: Ablehnung von Eingriffen in die menschliche Keimbahn. Foto: Paul Zinken (dpa)

Der Deutsche Ethikrat lehnt Eingriffe in die menschliche Keimbahn, die das Ziel verfolgen, genetisch veränderte Menschen zu schaffen, zum gegenwärtigen Zeitpunkt einstimmig ab. Nach einhelliger Meinung des 26-köpfigen Gremiums, seien deren Risiken derzeit „unabsehbar“ und daher „ethisch unverantwortlich“.

In seiner von vielen mit Spannung erwarteten und gestern in Berlin vorgestellten Stellungnahme fordert das weltanschaulich heterogen zusammengesetzte Gremium ein Moratorium für derartige Humanexperimente. Die 232 Seiten umfassende Expertise trägt den Titel „Eingriffe in die menschliche Keimbahn“. Bundesregierung und Bundestag, die das Expertengremium in ethischen Fragen beraten soll, empfiehlt es, sich für „verbindliche internationale Vereinbarungen“ einzusetzen. Ein „globaler Konsens wenigstens über die ethischen Mindestanforderungen“ scheine „unerlässlich, so schwer er zu erreichen sein mag“, heißt es in der Stellungnahme.

Kein generelles Verbot

Zu einem prinzipiellen Verbot von Eingriffen, die das menschliche Genom verändern, konnte sich das Gremium nicht durchringen. „Aus der ethischen Analyse der Orientierungsmaßstäbe“ ergebe sich „keine kategorische Unantastbarkeit der menschlichen Keimbahn“, erklärte die Ärztin und Medizinethikerin Alena Buyx von der Technischen Universität München bei der Vorstellung der Stellungnahme vor der Bundespressekonferenz in Berlin. „Das mag einige überraschen, aber das ist das eindeutige Ergebnis unserer Arbeit“, so Buyx, die die Arbeitsgruppe leitete, die die Stellungnahme erarbeite.

Am 24. November 2018 hatte der chinesische Biophysiker He Jiankui die Welt mit der Nachricht schockiert, er habe das Erbgut zweier im Labor erzeugten und auf die Welt gekommenen Zwillingsmädchen zuvor genetisch manipuliert, um sie gegen HI-Viren resistent zu machen. Solche Humanexperimente seinen nach Auffassung des Rates „ethisch in höchstem Maße unverantwortlich“, erklärte Buyx.

"Ohne Rückgriff auf Embryonen"

Eingriffe in die menschliche Keimbahn, wie sie derzeit vor allem mit der CRISPR/Cas-Technologie in der Grundlagenforschung erprobt würden, seien „ohne Rückgriff auf menschliche Embryonen in vitro zu fördern“, so Buyx. Damit stellt sich der Deutsche Ethikrat zugleich gegen Forderungen einer Gruppe von Wissenschaftlern um den Heidelberger Medizinrechtler Jochen Taupitz, der viele Jahre lang selbst Mitglied des Ethikrates war, und die im Oktober 2017 eine Freigabe der Forschung mit verwaisten Embryonen zu eben solchen Zwecken gefordert hatten.

DT (jobo)

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