Mehr als 190 Politiker fordern sichere Ausreise für Asia Bibi

Während die pakistanische Regierung Berichte dementiert, wonach die vom Vorwurf der Blasphemie freigesprochene Asia Bibi das Land bereits verlassen habe, plädieren mehr als 190 Parlamentarier aus aller Welt in einem offenen Brief für die sichere Ausreise der Katholikin.

Proteste nach Freispruch von Christin in Pakistan
„Was als nächstes geschieht wird der Welt zeigen, ob Pakistan ein Land ist, das das Rechtsstaatsprinzip respektiert, oder ob politische Interessen einen höheren Stellenwert haben", heißt es in dem Schreiben. Foto: Fareed Khan (AP)

Im Fall der wegen des Vorwurfs der Blasphemie zum Tode verurteilten pakistanischen Christin Asia Bibi herrscht weiter Unklarheit. Zwar berichteten mehrere Medien am Donnerstag übereinstimmend, dass sie aus dem Gefängnis entlassen worden sei. Die pakistanische Regierung dementierte jedoch Berichte, wonach Bibi das Land bereits verlassen habe. Stattdessen soll sich die 47-Jährige Katholikin an einem geheimen Ort in Pakistan befinden.

Politiker weltweit verweisen auf Menschenrecht der Religionsfreiheit

Indes unterzeichneten mehr als 190 Abgeordnete weltweit einen offenen Brief an die Regierung Pakistans, in dem sie den Premierminister, Imran Khan, dazu auffordern, die sichere Ausreise Bibis und all derer, die im Zuge des Prozesses in Lebensgefahr geraten seien, aus dem Land zu ermöglichen. Man sei der Rechtsstaatlichkeit verpflichtet sowie dem grundlegenden Menschenrecht auf Meinungs- und Religionsfreiheit. „Was als nächstes geschieht wird der Welt zeigen, ob Pakistan ein Land ist, das das Rechtsstaatsprinzip respektiert, oder ob politische Interessen einen höheren Stellenwert haben.“

Vergangene Woche hatte der Oberste Gerichtshof Pakistans das Todesurteil gegen die Mutter von fünf Kindern zunächst aufgehoben. Daraufhin war es in zahlreichen Städten Pakistans zu heftigen Protesten radikaler Islamisten gekommen. Die pakistanische Regierung beugte sich dem Druck und einigte sich mit der islamistischen Partei Tehreek-e-Labbaik Pakistan (TLP) darauf, einen Berufungsprozess gegen Bibi zuzulassen.

ADF International bekräftigt Forderung nach sicherer Ausreise Bibis

Der Geschäftsführer der internationalen Menschenrechtsorganisation ADF International, Paul Coleman, bedankte sich bei den Politikern aus aller Welt für die Unterstützung und Solidarität, die sie Asia Bibi mit ihrem Schreiben an die pakistanische Regierung zuteil werden ließen. Zudem wiederholte auch er die Forderung, dass Bibi und ihrer Familie die sichere Ausreise aus Pakistan ermöglicht werden müsse.

Asia Bibis Ehemann, Ashiq Masih, hatte bereits mehrere Staaten um Asyl für seine Frau und die Familie gebeten, darunter die USA, Kanada, Großbritannien und Italien. Berichten zufolge sollen sich bereits mehrere Länder dazu bereiterklärt haben, die Verfolgten aufzunehmen. Auch in Deutschland gab es Forderungen, Asia Bibi Asyl zu gewähren. So forderte beispielsweise der menschenrechtspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Michael Brand, die pakistanischen Christin müsse zum Schutz einen Platz in Deutschland finden können. Zuvor hatte bereits das internationale katholische Hilfswerk missio Aachen die Forderung an die Regierung gerichtet, sich für Freiheit, Sicherheit und Ausreisemöglichkeit Asia Bibis einzusetzen.

In Pakistan gilt Blasphemie als Kapitalverbrechen

Asia Bibi ist die erste katholische Frau, die in Pakistan wegen Gotteslästerung angeklagt und zum Tode verurteilt wurde. Ihr wurde vorgeworfen, den Propheten Mohammed beleidigt zu haben. Nach der Verurteilung im Jahr 2010 wurde das Todesurteil 2014 bestätigt, im Jahr darauf jedoch vorläufig ausgesetzt.

Im islamisch geprägten Pakistan gilt Blasphemie als Verbrechen, das mit der Todesstrafe geahndet wird. Die Auslegung des Begriffs fällt in der Praxis jedoch oft sehr weit aus. So gelten bereits abfällige Äußerungen zum Islam oder dem Koran und dem Propheten Mohammed als blasphemisch. Kritiker erheben immer wieder den Vorwurf, die Blasphemiegesetze würden ausgenutzt, um persönlichen Feinden zu schaden.

DT/mlu

Die Hintergründe zu diesem Thema finden Sie in der Wochenausgabe der Tagespost. Kostenlos erhalten Sie die Zeitung hier.