Jerusalem

"Juden sollen nicht passiv sein"

Der israelische Holocaust- und Antisemitismusforscher Professor Yehuda Bauer im Gespräch mit der "Tagespost".

Antisemitismus sorgt Israelitische Religionsgemeinde
Yehuda Bauer: "Jeder Jude sollte als ein Zeichen eine Kippa tragen." Foto: Robert Michael (ZB)

Zwar sei der latente Hass gegen Juden heute in Deutschland geringer als in vielen anderen Ländern, aber er ist noch immer da und wird von politischen Bewegungen benutzt, erklärt der weltweit renommierte, israelische Holocaust- und Antisemitismusforscher Prof. Yehuda Bauer. Im Gespräch mit der "Tagespost" zeigt er auf, dass schon im Alten Testament, die Israeliten mit dem Judenhass auseinandersetzen mussten.

Islamistischer Antisemitismus tief im Koran verankert

Ihr Monotheismus und die damit einhergehenden eigenen Bräuche führten zur Abgrenzung – und die sich aus diesem Monotheismus entwickelnden Religionen des Christentums und Islams grenzten sich wiederum durch ihren entstehenden Judenhass von Judentum ab. Der islamistische Antisemitismus sei tief im Koran und in der Entstehung des Islam verankert. Daher sei es heute gerade von besonderer Bedeutung, mit den liberalen Kräften im Islam nicht nur zu reden, sondern eng mit ihnen zu kooperieren.

Antizionismus ist Antisemitismus

Dabei müsse auch klar definiert werden, dass Kritik an der Politik Israels berechtigt sein kann – aber jede Art von Antizionismus, die dem Staat Israel das Existenzrecht abspreche, sei eindeutig antisemitisch. Und den Juden und Jüdinnen in Deutschland rät er nach der Debatte um No-Go-Areas und die Vermeidung jüdischer Symbole und Bräuche in der Öffentlichkeit, wie das Tragen einer Kippa: "Jeder Jude, ob religiös oder nicht, sollte als ein Zeichen eine Kippa tragen – und die Deutschen würden sich dann an ihre Seite stellen. Ich bin nicht dafür, dass die Juden passiv sein sollen – dafür bin ich viel zu sehr Israeli."

Till Magnus Steiner hat mit Professor Yehuda Bauer über Antisemitismus, Israel und das jüdisch-muslimische Verhältnis gesprochen. Den ganzen Beitrag lesen Sie in der Ausgabe der „Tagespost“ vom 19. Juni 2019. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe der Zeitung hier.

DT/tms (jobo)