Gentests: Bischöfe widersprechen EKD

Kirchen uneins bei Finanzierung nichtinvasiver Bluttests – Bundestag veranstaltet Orientierungsdebatte Anfang 2019.

Gentests: Bischöfe widersprechen EKD
Eine Kostenübernahme der nichtinvasiven Bluttests durch die Gesetzlichen Krankenkassen begegne aber „erheblichen ethischen Bedenken mit Blick auf den Schutz des ungeborenen Lebens“, so DBK-Pressesprecher Kopp. Foto: Uli Deck (dpa)

Die Deutschen Bischöfe lehnen eine Übernahme der Kosten für die umstrittenen vorgeburtlichen Gentests durch die Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) ab. Das erklärte der Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea auf Anfrage. Die umstrittenen Tests ermöglichen es Eltern, im mütterlichen Blut nach einer möglichen Trisomie des ungeborenen Kindes – etwa dem Downsyndrom – zu fahnden.

EKD stellt Positionspapier „Nichtinvasive Pränataldiagnostik“ vor

Zuvor hatte sich der Rat der Evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD) für die Kostenübernahme nichtinvasiver Bluttests durch die GKV ausgesprochen. Zugleich fordert die EKD, Eltern die von diesem Test Gebrauch machen wollten, eine umfassende ethische Beratung anzubieten. Am Freitag hatte das Kirchenamt der EKD in Hannover dazu ein Positionspapier vorstellt.

„Die Kombination von Kostenübernahme durch die GKV und dem Angebot einer umfassenden qualifizierten ethischen Beratung im Rahmen der Schwangerenvorsorge soll schwangere Frauen dazu motivieren, die entsprechenden Beratungsangebote auch tatsächlich in Anspruch zu nehmen und nicht nach finanziell günstigeren Angeboten zu suchen – sei es über Angebote im Direct-to-Consumer-Vertrieb im Internet oder im Ausland“, heißt es in dem 44-seitigen Papier. Wie der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, im Vorwort des Positionspapiers schreibt, habe sich der Rat das von der EKD-Kammer für Öffentliche Verantwortung erarbeitete Papier zu eigen gemacht. Das Papier trägt den Titel „Nichtinvasive Pränataldiagnostik“.

Kopp: „erhebliche ethische Bedenken“

Laut idea würdigte Kopp das EKD-Papier als Beitrag zu einer wichtigen öffentlichen Diskussion. Eine Kostenübernahme der nichtinvasiven Bluttests durch die Gesetzlichen Krankenkassen begegne aber „erheblichen ethischen Bedenken mit Blick auf den Schutz des ungeborenen Lebens“. Die Deutsche Bischofskonferenz setze darauf, dass die „von über 100 Abgeordneten des Deutschen Bundestags angestoßene Debatte über diese komplexen Fragen eine dringend notwendige gesellschaftliche, sozialethische und politische Klärung voranbringt“, so Kopp. Dabei werde es auch wichtig sein, im ökumenischen Gespräch zu bleiben.

Zum Hintergrund: Der Gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen (G-BA) prüft derzeit, ob solche Gentests als Regelleistung in den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen werden können. Mitte Oktober hatten mehr als 100 Bundestagsabgeordnete eine intensive, parlamentarische Debatte über die ethischen und gesetzgeberischen Fragen gefordert, die durch die nichtinvasiven Gentests aufgeworfen werden. Anfang 2019 will der Deutsche Bundestag nun eine Orientierungsdebatte durchführen.

DT/reh

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