Passau

Debatte um Flüchtlingskriminalität nach Aussagen von Herrmann

Für seine Warnung vor einem erhöhten Gewaltrisiko bei Migranten erntet Bayerns Innenminister Joachim Herrmann Kritik.

Innenminister Herrmann in der Kritik
Joachim Herrmann (CSU), Innenminister von Bayern, steht in der Kritik. Foto: Peter Kneffel (dpa)

Konsequentes Vorgehen gegen Gewalt sei zwar richtig, sagte CDU-Vorstandsmitglied Serap Güler der „Passauer Neuen Presse“ (Dienstag). „Allerdings ist die Verbindung zu dem schrecklichen Vorfall am Frankfurter Hauptbahnhof unangebracht, da der Täter kein Flüchtling mehr war und auch nicht in Deutschland gelebt hat“, erklärte Güler.

Thomae: "Pauschale Vorverurteilung ganzer Personengruppen"

FDP-Fraktionsvize Stephan Thomae warf Herrmann „eine pauschale Vorverurteilung ganzer Personengruppen“ vor. Es sei zwar richtig, dass bestimmte Gruppen überproportional in der Kriminalitätsstatistik auffielen. Hier gelte es jedoch genau hinzuschauen, wer sich gut integriere und wer nicht.

Korte: "Rassistische Hetze"

Hart ins Gericht mit Herrmann geht auch die Linke: „Was Bayerns Innenminister da erzählt, ist der größte CSU-Unfug seit Wochen“, sagte Linken-Innenexperte Jan Korte. In keinem Land und keinem Kulturkreis der Welt sei es erlaubt, Menschen vor Bahnen zu stoßen oder auf der Straße zu töten, betonte er. „Wer das Gegenteil behauptet, verbreitet rassistische Hetze, nichts anderes.“

Post: "Empirisch fragwürdig"

Der SPD-Migrationsexperte Florian Post sagte der „Bild“-Zeitung, natürlich müssten Missstände klar benannt werden. „Aber was Herrmann macht, ist nicht nur empirisch fragwürdig, er ordnet es nicht ein - und das macht es verantwortungslos und an Blödheit nur schwer zu überbieten.“ Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Konstantin von Notz, bemängelte: „Derart pauschalisierende Vorwürfe helfen sicherheitspolitisch nicht einen Deut weiter, erschweren Integration unnötig und spalten unsere Gesellschaft.“

Hintergrund: Die Äußerungen Herrmanns

Zuvor hatte Herrmann nach der Bahngleis-Attacke eines Eritreers, durch den in Frankfurt ein achtjähriger Junge zu Tode kam, auf ein erhöhtes Gewaltrisiko bei Migranten hingewiesen. „Jetzt kommen unübersehbar Menschen aus anderen Kulturkreisen zu uns, in deren Heimat die Gewaltlosigkeit, wie wir sie pflegen, noch nicht so selbstverständlich ist“, sagte Herrmann der „Passauer Neuen Presse“ (Montag). „Da kommen Leute zu uns, die sehr viel schneller Konflikte mit Gewalt austragen.“ Es gebe in dieser Hinsicht „ein erhöhtes Risiko“, das zeigten die Kriminalstatistiken „ganz eindeutig“, so der Minister.

DT (jobo)

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