Caritas: Rufe nach Rückkehr syrischer Flüchtlinge sind "realitätsfern"

Da drei Millionen Menschen von Hilfe abgeschnitten seien und die Infrastruktur und ehemaligen Kampfgebieten auf Jahre zerstört, dürfe man syrische Flüchtlinge nicht zur Rückkehr in ihre Heimat auffordern.

Syrien-Konflikt in Ost-Ghuta
12.03.2018, Syrien, Duma: Ein Mann durchsucht die Trümmer an einem zerstörten Haus im Rebellengebiet Ost-Ghuta. Ost-Ghuta erlebt seit mehr als drei Wochen die schlimmste Angriffswelle der syrischen Regierung seit Beginn des Bürgerkriegs vor fast sieben Jahren. Nach Angaben von Ak... Foto: Samer Bouidani (dpa)

Caritas international hat Forderungen nach der Rückkehr von Flüchtlingen nach Syrien zurückgewiesen. „Derzeit sind allein drei Millionen Menschen in belagerten oder schwer erreichbaren Regionen von lebenswichtiger Hilfe abgeschnitten. Hinzu kommt, dass die Infrastruktur in vielen ehemaligen Kampfgebieten völlig zerstört wurde“, sagte Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbandes, am Montag in Freiburg. Rufe nach einer Rückkehr von syrischen Flüchtlingen in ihr Heimatland seien realitätsfern. In einem großen Teil des Landes müssten die Menschen auch sieben Jahre nach Kriegsbeginn um ihr Leben fürchten und selbst in weniger umkämpften Gebieten würden immer wieder sicherheitsrelevante Vorfälle gemeldet.

Außerdem sei es so, dass jeder junge Mann, der in das Land zurückkehrt, große Gefahr laufe, von der Regierungsarmee oder den Milizen zwangsrekrutiert zu werden. „Wir können nicht wollen, dass diese Menschen in einen sinnlosen Krieg gezogen werden.“ Darüber hinaus habe nicht nur ein Großteil der Menschen in den aktuellen oder ehemaligen Kriegszonen sein Zuhause verloren, sondern auch die Lebensgrundlage. „Viele Bewohner dieser Gegenden haben keine Arbeit mehr und können ihre Familie nicht mehr ernähren und auch die medizinische Versorgung ist desaströs“, betonte Neher.

Einmal mehr kritisierte das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes, dass die Konfliktparteien sich weder auf eine Waffenruhe noch auf humanitäre Korridore verständigen wollen. „Es ist ein barbarischer Akt, dass Hilfsorganisationen der Zugang zu Menschen verwehrt wird, die physisch wie psychisch völlig ausgezehrt sind – und teilweise auch die Helferinnen und Helfer selbst zum Ziel werden“, sagte Neher.

DT/pm