Würzburg

Asia Bibi nach Kanada ausgereist

Wie der „Tagespost“ aus dem Umfeld Asia Bibis bestätigt wurde, konnte die verfolgte pakistanische Christin das Land verlassen und befindet sich bereits in Kanada. Der genau Zeitpunkt der Ausreise ist unklar.

Asia Bibi hat Pakistan verlassen
Als das Todesurteil gegen die verfolgte Christin noch nicht aufgehoben war: Proteste für die Freilassung Asia Bibis in Pakistan. Foto: Rahat Dar (EPA)

Die Leidensgeschichte der Asia Bibi ist wohl zu Ende: Wie mehrere pakistanische Medien berichten hat die verfolgte Christin Pakistan nun verlassen. Dies wurde der „Tagespost“ aus dem Umfeld Asia Bibis bestätigt. Der ehemalige Anwalt der vom Vorwurf der Blasphemie freigesprochenen Christin, Saiful Malook, erklärte gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa), Bibi befinde sich bereits in Kanada. Zum genauen Zeitpunkt der Ausreise Bibis äußerte sich Malook nicht.

Kirche in Not: Freude, dass Bibi vorausslichtlich endlich in Freiheit leben kann

Das internationale päpstliche Hilfswerk "Kirche in Not" reagierte mit Erleichterung auf die Nachricht der Ausreise. "Wir sind heute Morgen mit der hoffnungsvollen Nachricht aufgewacht, dass Asia Bibi nach monatelangem Tauziehen Pakistan verlassen hat", erklärte der Geschäftsführer von "Kirche in Not" Deutschland, Florian Ripka, gegenüber der "Tagespost". Die endgültige Bestätigung, dass Bibi sicher in Kanada angekommen sei, stehe allerdings noch aus und bleibe abzuwarten.

Dennoch freue sich das Hilfswerk sehr, dass die pakistanische Katholikin "voraussichtlich endlich in Freiheit" sei. Die Ausreise sei der Erfolg eines jahrelangen Einsatzes verschiedener Fürsprecher in zahlreichen Ländern, darunter auch des Hilfswerks selbst. "Wir wünschen Asia Bibi und ihrer Familie, dass sie jetzt endlich in Ruhe und ohne Nachstellungen durch religiöse Extremisten leben kann. Sie wird nach wie vor den Schutz der Sicherheitsbehörden brauchen" so Ripka weiter.

Ripka: Zahlreiche weitere aus Glaubensgründen Verfolgte nicht vergessen

Gleichzeitig mahnte der Geschäftsführer, über die Freude aufgrund der Ausreise Asia Bibis die zahlreichen weiteren Christen und Angehörigen anderer Religionen nicht zu vergessen, die in Pakistan wegen angeblicher Blasphemie angeklagt seien und denen im Alltag das Leben schwer gemacht werde.

In den vergangenen Monaten war immer wieder über eine mögliche Ausreise der 51-Jährigen spekuliert worden. Ende Januar hatte der Oberste Gerichtshof Pakistan die Aufhebung des Todesurteils gegen die verfolgte Christin bestätigt. Eine Petition zur Überprüfung des Freispruchs lehnten die Richter ab.

In Pakistan war Bibi neun Jahre inhaftiert gewesen

Aufgrund des Vorwurfs der Blasphemie war Asia Bibi neun Jahre lang in Pakistan inhaftiert gewesen. Anfang November vergangenen Jahres sprach der Oberste Gerichtshof Pakistans die Mutter von fünf Kindern zunächst frei. Daraufhin war es in zahlreichen Städten Pakistans zu heftigen Protesten radikaler Islamisten gekommen. Die pakistanische Regierung beugte sich dem Druck und einigte sich mit der islamistischen Partei Tehreek-e-Labbaik Pakistan (TLP) darauf, einen Berufungsprozess gegen Bibi zuzulassen. Kurz darauf wurde Bibi dann aber doch aus der Haft entlassen. Ihrem ehemaligen Anwalt Malook zufolge hatte sie sich seitdem an einem geheimen Ort in Pakistan aufgehalten.

Erste katholische Frau, die in Pakistan wegen Blasphemie zum Tode verurteilt wurde

Asia Bibi ist die erste katholische Frau, die in Pakistan wegen Gotteslästerung angeklagt und zum Tode verurteilt wurde. Ihr wurde vorgeworfen, den Propheten Mohammed beleidigt zu haben. Nach der Verurteilung im Jahr 2010 wurde das Todesurteil 2014 bestätigt, im Jahr darauf jedoch vorläufig ausgesetzt.

Im islamisch geprägten Pakistan gilt Blasphemie als Verbrechen, das mit der Todesstrafe geahndet wird. Die Auslegung des Begriffs fällt in der Praxis jedoch oft sehr weit aus. So gelten bereits abfällige Äußerungen zum Islam oder dem Koran und dem Propheten Mohammed als blasphemisch. Kritiker erheben immer wieder den Vorwurf, die Blasphemiegesetze würden ausgenutzt, um persönlichen Feinden zu schaden.

DT/mlu

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