Aktionstag "Städte für das Leben"

Sant’Egidio kämpft gegen die Todesstrafe. In über 100 Ländern finden am 30. November Aktionen statt. In Deutschland beteiligen sich in diesem Jahr etwa 250 Städte.

Die Todesstrafe wird immer noch in 58 Ländern der Erde vollstreckt.
Die Todesstrafe steht weltweit in der Kritik. Foto: Trent Nelson / Pool (The Salt Lake Tribune / POOL)

Die katholische Gemeinschaft Sant’Egidio hat 2002 die Aktion „Cities for life – Städte für das Leben – Städte gegen die Todesstrafe“ ins Leben gerufen. An jedem 30. November organisiert sie seitdem Aktionen gegen die Todesstrafe. Dieses Datum wurde gewählt, weil an diesem Tag im Jahr 1786 das Großherzogtum Toskana als erster Staat der Welt Folter und Todesstrafe für abgeschafft erklärte.

Für eine Kultur des Lebens: Aktionen, Projekte, Veranstaltungen

Seit Beginn der Kampagne wurden in über 100 Ländern Aktionen, Projekte, Veranstaltungen, etc. zur Sensibilisierung der Zivilgesellschaft für eine Kultur durchgeführt, die immer das Leben achtet. Diese Aktionen werden von Kommunen getragen, um das bürgerschaftliche Engagement für mehr Menschlichkeit und für das Leben zu stärken.

Weltgemeinschaft gegen die Todesstrafe – aber nicht geschlossen

Anlässlich des diesjährigen Aktionstags erinnert die Gemeinschaft daran, dass die Generalversammlung der Vereinten Nationen 2007 zum ersten Mal in der Geschichte mit großer Mehrheit eine Resolution für ein universales Moratorium der Todesstrafe verabschiedet hat, seitdem wiederholt bestätigt wurde. Erst vor wenigen Tagen habe die Dritte Kommission der UN-Generalversammlung erneut mit noch größerer Mehrheit (123 Ja-Stimmen) für diese Resolution gestimmt. Allerdings halten 58 Länder an der Todesstrafe fest.

Vatikan und Hessen setzen Zeichen gegen die Todesstrafe

Als „ein besonderes Signal“ wertet es die Gemeinschaft, dass Papst Franziskus 2018 den Katechismus der katholischen Kirche geändert und damit die Todesstrafe endgültig abgeschafft hat, indem er die Formulierung einfügte, dass die Todesstrafe im Licht des Evangeliums „unzulässig ist, weil sie gegen die Unantastbarkeit und Würde der Person verstößt“, eine Haltung, die jüngst bekräftigt wurde.

Auch aus Deutschland komme „ein positives Signal“, so Sant'Egidio, denn bei der Abstimmung über die Verfassungsreform in Hessen am 28. Oktober 2018 wurde die Todesstrafe endgültig außer Kraft gesetzt. Schließlich sieht die Gemeinschaft auch in der Aufhebung des Todesurteils gegen Asia Bibi in Pakistan nach Jahre langer Haft im Todestrakt ein Zeichen der Hoffnung.

Besorgniserregend: Steigende Vollstreckungszahlen im Nahen Osten

Bei all den positiven Entwicklungen blieben aber „besorgniserregende Nachrichten“ nicht aus, so. Insbesondere aus den Krisengebieten des Nahen Ostens seien im Zusammenhang mit dem Terrorismus steigende Vollstreckungszahlen zu registrieren, in der Türkei werde über eine Wiedereinführung der Todesstrafe nachgedacht. Daher bliebe „die Bedeutung dieses globalen Einsatzes für eine Kultur des Lebens bestehen“.

Sant’Egidio / DT (jobo)

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