Abtreibung in den USA: Keine Trennung entlang der Parteilinien möglich

Abtreibungsbefürworter sind meist Demokraten, Gegner stimmen republikanisch? Studien zeigen, dass eine Trennung entlang der Parteilinien nicht immer möglich ist – und fördern eine erschreckende Erkenntnis zutage.

Abtreibung
Abtreibungsgegner demonstrieren. Foto: Shawn Thew/EPA/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Foto: Shawn Thew (EPA)

Abtreibung wird in den USA meist als Thema betrachtet, bei dem sich die Befürworter nahezu ausnahmslos unter den Demokraten finden, während die Gegner den Republikanern angehören. Dies trifft auch zu, wenn man lediglich den US-Kongress in den Fokus nimmt: Die allermeisten republikanischen Kongressmitglieder sprechen sich für Einschränkungen oder ein komplettes Abtreibungsverbot aus; die Demokraten im Kongress unterstützen den Zugang zu Abtreibungen. Sie  haben sogar staatliche Fördermittel in ihr jüngstes Parteiprogramm aufgenommen.

Blickt man jedoch über den Washingtoner Tellerrand hinaus, so deutet vieles darauf hin, dass Abtreibungsgegner und -befürworter sich nicht so einfach entlang der Parteilinien trennen lassen. So gibt es einigen aktuellen Umfragen zufolge auch unter Anhängern der Republikaner Zustimmung zu gesetzlich erlaubten Abtreibungen. Gleichzeitig stimmte eine beträchtliche Zahl von Demokraten dafür, das Gerichtsurteil „Roe v. Wade“ aus dem Jahr 1973, das Abtreibungen für verfassungskonform erklärte, aufzuheben.

Wenn man die zahlreichen Umfragen untersucht, die zu der strittigen Frage in den Vereinigten Staaten regelmäßig durchgeführt werden, ergibt sich jedoch kein klares Bild davon, wie sich Befürworter und Gegner auf die Bevölkerung verteilen. So kam eine Umfrage des „Marist Institute for Public Opinion“ (MIPO) zu dem Ergebnis, dass 76 Prozent der Amerikaner den Zugang zu Abtreibung zumindest einschränken wollen – unter ihnen 60 Prozent, die sich als „pro-choice“ betrachteten. Die gleiche Umfrage fand heraus, dass sogar mehr als 60 Prozent der demokratischen Wähler strikte Einschränkungen bei Abtreibungen unterstützen würden.

Eine andere Erhebung der „Kaiser Family Foundation“ kam jedoch zu der Erkenntnis, dass 67 Prozent der US-Bürger nichts an der aktuellen Gesetzeslage ändern würden. Der Anteil fiel bei Frauen wie auch bei Männern mit 68 und 65 Prozent in etwa gleich hoch aus. Insbesondere bei Frauen im Alter von 18 bis 44 Jahren war die Zustimmung zu Roe v. Wade mit 74 Prozent besonders deutlich.

Interessant ist außerdem, dass viele Amerikaner offensichtlich nicht wissen, worüber überhaupt diskutiert wird, wenn die Rede davon ist, Roe v. Wade aufzuheben. In einer Umfrage aus dem Jahr 2013 konnten nur 62 Prozent angeben, dass das Gerichtsurteil die Abtreibungsgesetzgebung regelt. 20 Prozent gestanden ein, gar nicht zu wissen, worum es überhaupt geht. Und innerhalb der Gruppe von Amerikanern unter 30 wussten nur 44 Prozent, dass Roe v. Wade vom Thema Abtreibung handelt.

DT/mlu