Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Thema der Woche

75 Jahre Grundgesetz: Alles in bester Verfassung?

Viel gelobt und doch wenig verstanden: „Die Tagespost“ beleuchtet aus gegebenem Anlass das als Provisorium gedachte Grundgesetz der „Bundesrepublik Deutschland“.
Das Grundgesetz wird 75 Jahre
Foto: IMAGO/Christian Ohde (www.imago-images.de) | In der kommenden Print-Ausgabe beleuchtet der Leipziger Rechtswissenschaftler Arnd Uhle „die christlichen Wurzeln des Grundgesetzes und ihre Bedeutung für die Zukunft“.

Am 23. Mai feiert die Bundesrepublik Deutschland das 75-jährige Bestehen des Grundgesetzes. Grund genug für die nur wenige Monate ältere katholische Wochenzeitung „Die Tagespost“, dem halbrunden Jubiläum rechtzeitig zuvor ein „Thema der Woche“ zu widmen.

Lesen Sie auch:

In der kommenden Ausgabe beleuchtet darin zunächst der Leipziger Rechtswissenschaftler Arnd Uhle „die christlichen Wurzeln des Grundgesetzes und ihre Bedeutung für die Zukunft“. Unter der Überschrift „Christentum und Grundgesetz“ legt der Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht, insbesondere Staatsrecht, Allgemeine Staatslehre und Verfassungstheorie, dar, wie der „Verfassungsgeber an die geistige Situation seiner Zeit“ und damit an „vorgefundene Ordnungsideen, gesellschaftlich akzeptierte Prinzipien und historisch gewachsene Überzeugungen“ anknüpft, die sodann „im Akt der Verfassungsgebung gesichtet und geprüft, ausgewählt und gewichtet, interpretiert und konkretisiert“ worden seien.

Christentum und Verfassungsstaat sind „inkommensurable Größen“

In seinem Essay zeigt Uhle, der zudem Richter des Sächsischen Verfassungsgerichtshofes ist, ferner, welchen „genuinen Einfluss“ das Christentum „auch auf die Vorstellungen von Menschenwürde, Freiheit und Gleichheit genommen“ habe. So wurzele etwa „die Würde des Einzelnen, vom Parlamentarischen Rat in Artikel 1 des Grundgesetzes ganz bewusst an die Spitze der von ihm geschaffenen Verfassung gestellt, aus biblisch-theologischer Sicht in der menschlichen Gottesebenbildlichkeit“. Das Christentum begreife sie als „eine allen Menschen von Natur aus zukommende, ebenso unverdienbare wie unverlierbare Eigenschaft“. 

Gleichwohl gelte: „Auch wenn das Christentum Wesentliches zur dauerhaften Verwirklichung des freiheitlichen Verfassungsstaates beizusteuern“ vermöge, stellten „beide doch inkommensurable Größen dar“, wie der Rechtswissenschaftler an Beispielen zu demonstrieren versteht.

In einem weiteren, mitunter recht launig gehaltenen, Essay plädiert der Philosoph und „Tagespost“-Autor Josef Bordat sodann für eine dringend gebotene Ergänzung des Grundgesetzes. Seiner Ansicht nach werden alte Menschen auf vielerlei Weise „benachteiligt“ und „diskriminiert“. Bordat, der diese These mit zahlreichen Beispielen untermauert, schlägt vor, Artikel 3, Absatz 3 um das Lebensalter zu ergänzen, um so „ältere Menschen, gleich welchen Geschlechts, besser vor Diskriminierung zu schützen“.

Heulen und Zähneknirschen

Im Leitartikel verficht abschließend der Bioethik-Experte und „Tagespost“-Korrespondent Stefan Rehder die Auffassung, dass der „eigentliche Clou“ des Grundgesetzes, weder damals noch heute restlos verstanden worden sein könne. Wäre es anders, müssten sich viele bioethische Debatten mit dem Hinweis auf die „vorstaatlichen“ Rechte von Menschen „im Keim ersticken“ lassen. Der Autor fragt sodann – angenommen das Grundgesetz sei eine „Person“ – welche Rede wir eigentlich von ihm angesichts seines bevorstehenden 75-jährigen Geburtstages zu erwarten hätten und stellt die These auf: „Vieles davon wird zum Heulen und Zähneknirschen sein“.  DT/reh

Lesen Sie das ausführliche "Thema der Woche" zu 75 Jahren Grundgesetz in der kommenden Ausgabe der "Tagespost".

Themen & Autoren
Meldung Die Tagespost Josef Bordat Katholizismus Menschenwürde Stefan Rehder

Weitere Artikel

„Die Tagespost“ gedenkt auf drei Seiten des berühmten irischen Schriftstellers C. S. Lewis, der am 29. November 125 Jahre alt geworden wäre.
14.11.2023, 20 Uhr
Vorabmeldung

Kirche

Über Franken und Maulbronn nach Cîteaux: In den jahrhundertealten Fußstapfen der Zisterzienser erschließt der neue paneuropäische Wanderweg Cisterscapes faszinierende Kulturlandschaften .
25.05.2024, 18 Uhr
Wolfgang Hugo
Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin hofft auf Ständige Vertretung des Papstes in Peking. Franziskus beteuert Staats-Loyalität der chinesischen Katholiken.
25.05.2024, 12 Uhr
Giulio Nova
Ein Bild zeigt mehr als tausend Worte: Dieses Bildnis des großen Kirchenlehrers Thomas weist den Weg zu den zentralen Leitmotiven seines Denkens.
25.05.2024, 19 Uhr
Hanns-Gregor Nissing