Hier bloggen vom 10. bis 22. August Mitglieder des Projektes "junge Federn" der "Tagespost" entweder direkt vor Ort aus Spanien oder als Daheimgebliebene aus Deutschland über den Weltjugendtag 2011 in Madrid. Mitglieder des Projektes sind (in alphabetischer Reihenfolge): Christian Beirowski (Regensburg), Benedikt Bögle (Ettal), Matthias Bürgel (Köln), Rudolf Gherig (Würzburg), Joseph Kauer (Erfurt), Veronika Lange (Magdeburg), Eva Leifeld, Sebastian Pilz (Fulda), Franziska Pröll (Freiburg), Peter Rinderer SDB (Österreich), Reinhild Rössler (Köln), Miriam Schilling (Trier), Theresa Wagener (München), Katharina Wolf, Luise Thiede (Berlin) und Andreas Titze (Görlitz).






22.08.2011 08:42

Wer ist schuld am Regen?

Von Rudolf Gehrig, Madrid
Es tut mir ja Leid. Ehrlich, so habe ich das nicht gewollt! Mein Gott, woher soll ich aber wissen, dass er gleich so übertreiben muss! Es fing damit an, dass ich unterwegs nach Cuatro Vientos zur Vigil war. Nach und nach gingen immer mehr Mitglieder meiner Gruppe im Gerangel um die Plätze der rettungslos überfüllten U-Bahn verloren, bis wir nur noch zu zweit über eine Stunde auf eine Mitfahrgelegenheit warteten. Unterdessen lernten wir zwei nette Italienerinnen kennen und liebäugelten mit dem Gedanken, hier schon unseren Schlafsack auszupacken. Wie erleichtert wir waren, als endlich eine komplett freie U-Bahn hielt. Doch knapp 10 Minuten später schon haben wir uns in den kühlen U-Bahnschacht zurückgewünscht. Die Luft war heiß, schwül und schweißgeschwängert. Eine halbe Stunde Fußmarsch mit Gepäck über aufgeweichten Teer, hin und wieder barmherzige spanische Frauen, die vom Balkon aus die Pilger mit Wasser begießen, dann endlich Cuatro Vientos, der Flughafen, der zum Weltjugendtagsgelände umfunktioniert wurde. Der gelbe Sonnenhut hat Schweißränder, auf dem T-Shirt sind Schweißflecken nur noch geruchlich vom Wasser der Balkon-Ladys zu unterscheiden, der Rücken ist klatschnass. Wir sind da. Aber noch lange nicht drin. Nach einer dreiviertel Stunde sind wir drin. Aber noch lange nicht auf unserm Platz. Die Zunge klebt an der Kehle, der aufgewirbelte Staub mischt sich mit dem Schweiß zu einer braunen Brühe, die die Wangen herunterläuft. Wie schön doch eine Abkühlung wäre! Ich beginne zu beten. Um Regen. Bei fast wolkenlosen Himmel. Nichts hat sich getan, als es am Abend abkühlt und Papst Benedikt die Vigil eröffnet. Mit einem Schlag verdunkelt sich der Himmel, bald schon zucken Blitze in der Ferne, das Donnergrollen geht in den tausendfachen „Viva el Papa!“-Rufen unter. Der Himmel beginnt tatsächlich zu weinen, erst ganz dezent, aber nach und nach wird es mehr und es wird richtig ungemütlich. Der Papst muss seine Rede unterbrechen, überall werden panisch Plastikfolien ausgebreitet oder über den Kopf gezogen, ich stehe schutzlos im Regen und fange an vor Kälte zu zittern. Um mich herum schimpfen die Leute, einer jammert, zwanzig Euro verloren zu haben, weil er gewettet hat, dass es kein einziges Mal regnen werde. Ich bekomme schlechtes Gewissen. Erneut erhebe ich meine Augen zum Gebet: Lieber Gott, vielen Dank, dass du meine Bitte erhört hast. Vielen Dank für die Abkühlung! Aber, naja, weißt du, findest du nicht, dass du etwas übertreibst? Die Wärme hört auf zu wärmen, der Staub hört auf zu stauben, schön und gut, aber dass den Bischöfen die Kappen wegfliegen und das Gesicht des Papstes auf der Leinwand von einem Regenschirm verdeckt wird, ist das wirklich nötig? Als der Regen nach einer halben Stunde immer noch nicht nachgelassen hat, wende ich mich an die Mutter Gottes, ich bete ein Gesätz Rosenkranz, damit sie ihrem Sohn den Regenmacher wegnimmt. Und es lässt nach. Es hört auf. Eine warme Brise fegt kurz darauf über den Platz, tut so, als ob nichts geschehen wäre. Erleichtert bedanke ich mich für die Abkühlung und die beeindruckende Gotteserfahrung. Wie heißt dieser schöne Spruch aus der Bibel? „Wer bittet, der empfängt.“ (Lk 11,9) Und ein anderer lautet: „Der Wind weht, wo er will.“ (Joh 3,8)

Wenn Sie zu diesem Blog oder Beitrag dem Autor Anmerkungen, Kritik, Lob oder einen Kommentar schreiben wollen, nutzen Sie bitte das folgende Formular:




  Drucken     Versenden