Zum Kommunionstreit

Die klare Botschaft, die über Jahre aufrecht erhalten wurde, daß Mahlgemeinschaft Kirchengemeinschaft voraussetzt ist Makulatur. Von Peter Winnemöller

Hostie
Die Interkommunion bleibt ein heikler Punkt in der Ökumene. Foto: dpa

Endlich hatte sich der Papst selber zum Kommunionstreit der deutschen Bischöfe geäußert. Eine Entscheidung über Interkommunion von gemischtkonfessionellen Ehepaaren dürfe nicht universal sein, so der Pontifex. Darum dürfe es eben kein Dokument einer Bischofskonferenz dazu geben, das wäre universal. Jeder Bischof selber solle entscheiden, wo eine Not ist, der dann Abhilfe geschaffen werden müsse.

Längst hat die Wirklichkeit das Papstwort überholt. Der sophistische Trick dahinter ist, daß das Dokument der DBK inzwischen als ein Nichtdokument der DBK veröffentlicht worden ist. So weit, so schlecht. Man nenne es Orientierungshilfe und nicht Arbeitshilfe, tausche eine diplomatische Note mit dem Papst und dann ist erlaubt, was bis dato verboten war.

In der Tat geht der Papst davon aus, der can. 844 § 2 so viel Spielraum bietet, daß eine gemischtkonfessionelle Ehe eine „geistliche Notlage“ begründen könnte. Sollte dem so sein, wäre jeder Priester, der eine Dispenz vom Ehehindernis der Konfessionsverschiedenheit erteilt ganz klar mitschuldig an der Genese einer „geistlichen Notlage“. Man könnte es keinem Priester verdenken, wenn er unter diesen Umständen die Trauung gemischtkonfessioneller Paare ablehnte. Zudem steht ja noch ein Urteil des Rates für die Interpretation der Gesetzestexte aus, wie zu hören ist.

Das Zeichen, das nun trotz aller Einschränkungen, Diskussionen und Quisquilien von dieser Orientierungshilfe ausgeht, ist ganz klar: Wehe dem Bischof, der nicht nachgibt und nicht eine entsprechend liberale Interkommunionregel einführt. Die klare Botschaft, die über Jahre aufrecht erhalten wurde, daß Mahlgemeinschaft Kirchengemeinschaft voraussetzt ist damit Makkulatur. Und es ist wohl kaum mehr als ein frommer Traum, wenn man denkt, eine solche nationale Arbeitshilfe, die man als Orientierungshilfe veröffentlicht, sei nicht von weltkirchlicher Relevanz.

Warum nun jemand, der evangelisch aber zufällig nicht mit einem katholischen Ehepartner verheiratet ist und trotzdem zur Kommunion gehen möchte, dies nicht dürfen solle, muß erst mal jemand breitenverständlich(!) erklaren.

Noch vor kurzem hat der Präfekt der Glaubenskongregation seinen Einspruch gegen die Veröffentlichung der Presse gegenüber begründet, da zieht der Vorsitzende der DBK eine Note aus der Tasche, in der der Papst der Veröffentlichung unter dem gemogelten Label zugestimmt hat. Im Vatikan, so könnte man denken, weiß die Linke nicht, was die Rechte tut. Der Präfekt der Glaubenskongregation ist immerhin in seiner Glaubwürdigkeit mit dieser Aktion arg ramponiert worden.

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