Wer Sonderrechte braucht, hat ein Problem

Und wieder wird die Abschaffung von Sonderrechten der Kirchen gefordert. Na und? Weg damit! Von Felix Honekamp

Regelmäßig wird von der Politik die Sau „Kirchenrechte“ durchs Dorf getrieben. Kirchensteuer, Staatsleistungen an die Kirchen, Sonderarbeitsrecht, Religionsunterricht … das alles ist Säkularisten ein Dorn im Auge und sollte nach deren Meinung besser heute als morgen abgeschafft werden. Gerne wird dabei übersehen, dass diese Sonderregelungen durchaus auch einen gegenseitigen Nutzen zwischen Kirche und Gesellschaft stiften, was selbst jemanden wie Gregor Gysie in Angst vor einer Gesellschaft ohne christlich-kirchliche Prägung versetzt.

Nun ist es die religionspolitische Sprecherin der Linken, Christine Buchholz, die kirchliche „Sonderrechte“ auf den Prüfstand stellen möchte. Wenn man aber mal das Gegensatzpaar Kirche und Gesellschaft aufmacht, dann stehen hier ungleiche Partner gegenüber: Ohne kirchliches Sonderarbeitsrecht müssten sich so manche katholische Einrichtungen aus gesellschaftlichen Aufgaben zurückziehen. Übertriebene Auslegungen von Toleranz und Diversity-Management vertragen sich eben schlecht mit dem christlichen Menschen- und Familienbild.

Die Frage ist nur: Wer hat den größeren Schaden, wenn sich die Kirche aus dem Betrieb von Kindergärten, Schulen oder Krankenhäusern zurückzieht? Denn ernsthaft muss man feststellen: „Tendenzbetriebe“ brauchen gesetzliche Sonderregelungen, die Kirche selbst, die Gemeinschaft der Gläubigen, braucht sie nicht. Die Kirche lebt als Leib Christi aus sich heraus und tut sogar gut daran, nicht am Tropf staatlicher Wohltaten zu hängen. Eine solche Abhängigkeit tut der Kirche und auch ihrem Stand in der Gesellschaft nicht gut.

Die Botschaft der Kirche, das Evangelium, kann staatlicherseits unterstützt werden; besser ist es aber, wenn sie auf eigenen Beinen steht. Die Notwendigkeit von Sonderrechten ist dagegen ein guter Indikator dafür, dass in der Kirche selbst etwas nicht stimmt. Eine mutige taktische Reaktion auf solche Forderungen nach Abschaffung von Sonderrechten könnte daher sein: „Einverstanden – denn die Kirche kann ohne solche Sonderrechte leben! ob es die Gesellschaft kann, muss sich dann erst erweisen.“

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