Geseke

Plötzlich Nazi (m/w/d)

Sprache ist verräterisch. Das wissen Ideologen aller Couleur. Von Peter Winnemöller

Genderismus und Gendersprech: Manipulation von Sprache und Denken
Gendersprech ist eine Manipulation, meint Peter Winnemöller. Foto: Christian Charisius (dpa)

Die Sprache ist ein mächtiges Instrument. Die deutsche Sprache macht mit ihrer grammatikalischen Vielfalt ein sehr komplexes Denken möglich. Von der gröbsten Verallgemeinerung zur Veranschaulichung großer Zusammenhänge, bis zur kleinteiligen Spezifizierung geht wirklich alles. Ein Verb kann zur Eigenschaft oder zur Sache werden, wenn es die korrekte Darstellung ermöglicht.

Jedes totalitäre Regime bemächtigt sich der Sprache

In deutscher Sprache denken heißt differenziert denken. Die Arbeiter haben irgendwann Feierabend, die Arbeitenden nie. Sprache ist verräterisch. Das wissen Ideologen aller Couleur. Jedes totalitäre Regime bemächtigt sich der Sprache, denn die Sprache beeinflusst das Denken. Das wissen wir nicht erst seit 1984.

Ein zu Gendersprech verändertes Deutsch soll gerechter sein. Das ist es nicht. Eine Sprache kann nicht gerecht oder ungerecht sein. Ein generisches Maskulinum sagt nichts über das natürliche Geschlecht einer Person aus. Auch wenn Ideologen dies hundertmal nicht verstehen, es ist so.

Zwei Petitionen wehren sich gegen die mittels Gender verunstaltete Sprache

Sprache heißt Sprache, weil sie gesprochen wird. Man versuche einmal einen radikal gegenderten Text flüssig vorzulesen. Das Ergebnis landet irgendwo zwischen Gaga-Commedy und dadaistischer Lyrik. Wen wundert es also, wenn sich gerade die, die mit der Sprache tagtäglich umgehen, die Schriftsteller, gegen den Genderwahnsinn der Sprache wenden. Zwei Petitionen wehren sich gegen die mittels Gender verunstaltete Sprache. Rund 100.000 Unterschriften haben diese Petitionen gesammelt. Eine Debatte über die Sprache ist überfällig.

Reiner Kunze: Vom "Spiegel" in die Nähe von Nazis gerückt

Dem Ideologen allerdings ist alles Ideologie. So wird der in der DDR diskriminierte und 1977 ausgewiesene Schriftsteller Reiner Kunze als einer der Erstunterzeichner einer der Petitionen, in einem Bericht des "Spiegel" in die Nähe von Nazis (natürlich m/w/d) gerückt. Viel absurder geht es nicht. Jeder, der sich gegen die Verunstaltung der Sprache durch den Genderirrsinn wehrte und wehrt, muss mit Denunziation und Ausgrenzung in linken Medien rechnen.

Gendersprech ist weder sprechbar noch lesbar. Es ist mit dem Sprachempfinden der Menschen nicht in Einklang zu bringen. Es ist eine Manipulation. Daher ist das Postulat der Petitionen, uns unsere Sprache zurückzuholen, vorbehaltlos zu unterstützen.

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DT (jobo)

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