Nehmt die Jugendlichen ernst!

Katechese durch Beispiel. Von Claudia Sperlich

Jugend in der Kirche
Papst Franziskus macht bei der Messe am Palmsonntag auf dem Petersplatz im Vatikan ein Selfie mit einer Gruppe von Jugendlichen. Foto: Andrew Medichini/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Foto: Andrew Medichini (AP)


Viele Jugendliche kommen nach der Firmung immer seltener zum Gottesdienst. Am Sonntag wollen die Eltern mal mit der Familie zusammensein; man muss zum Handballtraining; die Freunde gehen auch nicht in die Kirche.

Hier ist die Gemeinde gefragt. Auch ich, kinderlose ältere Frau, bin in die Pflicht genommen, jungen Leuten die Kirche schmackhaft zu machen. Zum einen kann ich das als Patentante. Zum anderen kann ich das – hoffentlich – dadurch, dass ich viel in die Kirche gehe und junge Menschen nicht als die Jugend von heute bezeichne (weil ich noch weiß, wie elend nervig das ist, wenn man selbst zur Jugend von heute gehört), den Ministranten und Sternsingern und anderen jungen Aktiven auch mal für ihren Dienst danke und wenigstens versuche, ihnen zuzuhören.

Nehmt Kinder und Jugendliche ernst! Das bedeutet nicht, alles wunderbar zu finden, was sie tun. Aber es bedeutet, ihnen zu signalisieren, dass sie Teil der Gemeinde sind, genau wie Ihr.

Sind gerade nur wenig Ministranten da? Bitte sagt nicht, daß in Eurer Jugend die Ministranten jeden Tag drei Stunden vor Schulbeginn schon gedient haben. Sagt es nicht einmal, wenn es stimmt. Freut Euch über die anwesenden Ministranten und sagt es ihnen. Betet für die Ministranten.

Kommt zu Firmgottesdiensten, auch wenn Ihr keinen einzigen der Firmlinge kennt. Sie sind jetzt mündige Mitglieder Eurer Gemeinde, zeigt ihnen, dass Ihr Euch darüber freut. Freut Euch wirklich! Macht Euch klar, dass die Gemeinde ohne junge Leute ausstürbe.

Bestellt die Sternsinger. Hört ihnen zu. Spendet Geld und Schokolade. Vertraut ihnen.

Nehmt Kindern und Jugendlichen die Angst vor uns Alten. Zeigt ihnen, dass Ihr keine Besserwisser seid. Sagt ihnen, wenn Ihr ihren Altardienst fehlerhaft und ihre Ansichten unreif findet, aber bleibt dabei freundlich. Ernstgemeinte und menschlich vorgebrachte Kritik finden die meisten in Ordnung. Lasst Euch auf Diskussionen ein! Vielleicht habt Ihr gerade nicht Recht. Vielleicht doch – hört dennoch die Gegenseite.

Zeigt ihnen, dass Christen so sind: Freundlich, offen, liebevoll, gesprächsbereit.
Und bekennt Euch unbeugsam zum Dreieinen Gott. Ladet sie zum Rosenkranzgebet ein (gern auch mehrmals). Zeigt ihnen, dass Keuschheit und Gehorsam nichts für Miesepeter sind und sie sich keinen Zacken aus der Krone brechen, wenn sie der Kirche gehorchen – wie Ihr. Zeigt es, mehr als Ihr es sagt, durch Euer Leben. Seid fröhlich, aufmerksam, klug, liebevoll und ganz und gar erzkatholisch.

Dann klappts auch mit der Katechese.

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