Mit „Pfarreien der Zukunft“ in den Niedergang?

Wie in deutschen Bistümern der Priestermangel mutlos hingenommen wird. Von Dirk Weisbrod

Sollen Laien an den Spitzen von Gemeinden stehen? Diese für Katholiken eigentlich befremdliche Situation scheint vor dem Hintergrund des Priestermangels nun Realität zu werden. Eine jüngst auf katholisch.de erschienene Übersicht über die Situation in den deutschen Bistümern ist allerdings nur bedingt aussagekräftig. Man teilt uns mit, dass es in 185 Kirchorten bereits eine Laienleitung gibt. Andernorts besteht man noch darauf, dass die Leitung der Pfarrei – meist eine „Großraum-Pfarrei“ oder ein „pastoraler Ort“ –  dem Pfarrer obliegt. Eine geordnete Seelsorge, so wie sie der Katholik früher gewohnt war, scheitert aber alleine schon der Größe dieser „Räume“, sodass letztendlich dann doch die Laien vor Ort alleine Verantwortung übernehmen.

Überhaupt denkt man in Räumen, was man in manchen Bistümern auch marketingtechnisch ausschlachtet. „Wo Glauben Raum gewinnt“ heißt das Ganze in Berlin und auch anderswo hat man dem Niedergang bunte Wortgirlanden gewunden. Neusprech allüberall. Allerdings hat man die seit Jahren virulente Situation nur verschlimmbessert, wie man Beispiel des Bistums Trier sehen kann.

2020 werden an Rhein und Mosel als Ergebnis der Diözesansynode (2013-2016) die bestehenden Strukturen zerschlagen und - auch eine Girlande - 35 "Pfarreien der Zukunft" errichtet. An der Spitze steht dann ein Team aus drei Personen, ein Priester und zwei hauptamtliche Laien, wobei der Priester weiterhin die Pfarrei leiten soll. Nun ist aber selbst im Bistum Trier – dem ältesten deutschen Bistum übrigens – die Situation nicht so schlimm, dass es nur noch 35 Priester gäbe. Was geschieht dann aber mit den anderen, die bisher Pfarrverbände leiteten oder als Kooperatoren und Kapläne in den Pfarren tätig waren? Sie sind ab sofort einfache Priester, die innerhalb der räumlich weit ausgedehnten „Pfarreien der Zukunft“ wie Schachbrettfiguren hin- und her geschoben werden können, um auch an bisher vernachlässigten Messorten wieder die Heilige Messe zu feiern. Zwar gibt es die Zusicherung, dass sie ihren früheren Gemeinden verbunden bleiben, was man gerne glauben will. Aber sie sind nach Umsetzung der Reform noch mehr „unterwegs“ und können dem Gemeindeleben vor Ort weniger Impulse geben. Man fragt sich wirklich, will man bewusst Gemeindestrukturen zerstören, die noch intakt waren?

In Orten, wo heute noch sonntags regelmäßig über 100 Gläubige die Messe besuchen, wird es dann allzu oft nur noch ein Wortgottesdienst mit Kommunionsausteilung geben. Und hier kommen dann wieder die Laien ins Spiel, die diese Andachten gestalten und leiten dürfen. Das Ergebnis können wir uns leicht vorstellen, wenn wir nur schon an das Wirken sogenannter „Liturgieteams“ denken. So wird der Gottesdienstbesucher bald nur noch an der Ausstattung erkennen, ob er in einer evangelischen oder in einer katholischen Kirche ist. Die Vertreter einer „Ökumene um jeden Preis“ wirds freuen

Wie gesagt, als Grund für diese Entwicklung wird von den Diözesanleitungen der Priestermangel und auch der Rückgang der Messbesuche genannt. Das sei sozusagen ein Naturereignis und auf absehbare Zeit nicht mehr umkehrbar. Wir müssen uns aber fragen, ob die Bistümer so mutlos sein sollten. Wie wäre es, statt all der schlagwortgesättigten Aufbrüche es einmal mit einem „pastoral turn“ zu versuchen – zurück zu einer Verkündigung, die Gott und den katholischen Glauben in den Mittelpunkt stellt und von Engel und Teufel, Wundern und Heiligen, Auferstehung und ewigem Leben, unbefleckter Empfängnis und Jungfrauengeburt zu berichten weiß. Der Empörung in gewissen Räten und Zentralkomitees wäre sicher groß, vielleicht aber auch die Zahl der Bekehrungen und Berufungen. In den „Pfarreien der Zukunft“ hingegen wird nur noch der Niedergang pastoraler Strukturen verwaltet. Wo Priester bestenfalls noch im Monatsrhythmus auftauchen, werden kaum noch neue Priester berufen, weil die Vorbilder fehlen. Man kann den Eindruck haben, dass das so mancher Teilnehmer der Trierer Synode zugunsten einer Laisierung der Kirche gewollt hat.

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