Meinung allein reicht nicht - Wissen wäre von Vorteil

Die Fremdheit zwischen der Kirche und den weltliche Medien treibt zuweilen sonderbare Blüten. Von Peter Winnemöller

Wahrheit
Den Fake-News-Machern nicht ins Netz gehen: Sogar die Karnevalisten sorgen sich um die Wahrheit in den Medien. Foto: dpa

Es ist eine Binsenweisheit. Das Neue, das Unbekannte, ist die Nachricht. In der Zeit nach der Wahl von Papst Franziskus schwamm die Kirche auf einer Welle der Begeisterung. Das war neu! Der große Reformpapst macht alles neu. Das war eine Nachricht!

Der Papst sprach von der Verantwortung der Ortskirchen. Kein Wort von Nationalkirchen. In Wirklichkeit ging es dem Papst darum, die Verantwortung der Ortskirchen für die Einheit der Kirche zu stärken. Was kam an? Hurra, kein römischer Zentralismus mehr!

Der unbedarfte Betrachter konnte es so einfach und linear lesen. Vielleicht ist eine gewissen Unschärfe in Reden und Handeln nicht immer von der Hand zu weisen. Es kann auch einfach die uns fremde Diktion des Papstes von anderen Ende der Welt sein. Insofern ist es der weltlichen Presse nicht zu verübeln, endlich Morgenluft für die lang erhoffte Auflösung der kirchlichen Einheit zu wittern.

Da muss man gegensteuern, nicht Wasser auf die Mühlen gießen. Wenn nämlich gerade jetzt der Episkopat des Landes den Eindruck nationalkirchlicher Tendenzen weckt, ist das ärgerlich. Dabei ist gar nicht anzunehmen, dass es solche Bestrebungen wirklich gibt. Dramatisch ist es, wenn ein nicht triviales Glaubensproblem im Handstreich durch eine simpel gestrickte nationale Rochade zu lösen versucht wird. Für die unbedarften Medien ist es nichts mehr als die Bestätigung dessen, was sie ohnehin denken. Jetzt wird alles anders.

Die Nachricht für die Medien war: Die Protestanten – alle - dürfen jetzt bei Katholiken zur Kommunion. Das war so zu erwarten. Und: Das ist nichts als Unfug.

Nun kommt eine Variante ins Spiel. Der Episkopat eines Landes ist kein homogener Block. Noch weniger ist er einem Oberbischof Untertan. Und Mehrheit ist nicht Wahrheit. Das verunsichert zu tiefst. So wundert es nicht, dass kirchenfremde weltliche Medien „Tilt“ anzeigen, wenn es doch nicht so glatt läuft.

Man liest von einem Riss in der DBK, von einer Zerreißprobe. Man liest von Rückschritten. Als sei die Idee von 2/3 der deutschen Bischöfe gar ein Schritt nach vorne gewesen. Es war nur doch nur lokal koloriertes Zurückweichen vor dem Zeitgeist. Man liest zur Erheiterung des Lesers von „Verweigerung des Abendmahls für Protestanten“. Als hätten katholische Bischöfe jetzt auch die Macht über die EKD übernommen.

Merke: Eine wirklich komplizierte Materie, nämlich die Sakramentenspendung an nichtkatholische Empfänger, die in ganz wenigen Ausnahmen tatsächlich möglich ist, eignet sich einfach nicht für Schlagzeilen.

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